
| Reise nach New York vom 01.12.1999 - 06.12.1999 |
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Am 01.12.1999 sollte
für mich ein Traum in Erfüllung gehen. Ich sollte endlich nach
New York kommen.
Es war ein Wunsch, den ich schon immer hatte, ich wußte nur nicht wie ich es mit meiner Behinderung schaffen sollte dorthin zu kommen. Aber die Mitarbeiter des Reisebüro „Weitsprung“ , mit denen ich schon im Frühjahr einen Urlaub auf Rhodos verbracht hatte, haben mir diese Reise ermöglicht. Eigentlich wurde die Idee schon auf Rhodos geboren. Aber wie gesagt, es war damals nur ein Gedankenspiel. Ich dachte nicht im Traum daran, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen würde. Es sollte also am 01.12.99 um 10.50 h mit Flug LH 400 der Lufthansa (einer Boeing 747-2000 ) losgehen. Die Anfahrt nach Frankfurt
war schon etwas stressig, da sehr viel Verkehr war und wir dadurch etwas
später als vorgesehen am Flughafen ankamen. Wir haben unser Flugzeug
noch rechtzeitig erreicht. Gott sei Dank!
Der Flug war etwas unruhig.
Es gab einige Turbulenzen und wir mussten uns mehrmals anschnallen. Aber
im Hinblick auf die Vorfreude endlich nach New York zu kommen war es halb
so wild.
Gegen 13.40 h (amerikanischer
Zeit) sind wir dann auf dem John F. Kennedy-Flughafen gelandet.
Die „Jungs“, das waren
Gerd, Linus, Peter, Ingo, Martin, Michael und Oliver bekamen ein 8-Bett
Zimmer und die „Mädels“, das waren Christina, Britta, Birgit und ich
ein 4-Bett Zimmer. Es gab Etagenbetten. Ein wenig schwierig für mich
hineinzukommen, aber es ging gerade so. Es gab im Hostel nicht den Luxus
eines Kleiderschranks oder einer Kommode. Wir mussten also buchstäblich
aus dem Koffer leben. Wieder eine neue Erfahrung.
Aber wir wollten ja nur
eine Woche bleiben und kamen sowieso nur zum Schlafen ins Hostel. Wozu
brauchten wir also den Luxus eines Kleiderschanks.
Wir konnte sogar bis in Foyer gehen und uns dort umsehen. Anschießend sind
wir dann noch bei „Orloffs“ gewesen, einem Fast -food Restaurant und haben
noch eine Kleinigkeit gegessen. Außerdem mussten wir uns unbedingt
aufwärmen, denn es war sehr kalt, und es blies ein eisiger Wind. Ich
habe nur gedacht, wenn es die nächsten Tage auch so kalt wird, dann
können wir kaum alles Unternehmen, was wir vorhatten. Aber es sollte
anders werden. Gott sei Dank.
Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück im Hostel (es gab Bagles, Muffins, Buttercroisantes und Joghurt; außerdem verschiedene Sorten Cornflakes, Marmelade und Obst, Kaffee, Tee und Saft) haben wir uns in 2 Gruppen aufgeteilt. Wir wollten mit dem Bus zum Times Square, und von dort aus zur Anlegestelle der Circle Line um eine dreistündige Bootsfahrt rund um Manhattan machen. Die erste Gruppe (Gerd,
Linus, Peter, Ingo, Michael und Oli) haben es auch geschafft, aber wir
(Christina, Britta, Birgit, Martin und ich) haben es nicht ganz geschafft.
Bis zum Times Square
ging alles ganz reibungslos. Unterwegs konnten wir schon die imposanten
Wolkenkratzer Manhattans bewundern. Ich konnte es eigentlich gar nicht
glauben, dass ich wirklich in New York war. Ich hatte immer das Gefühl,
einen wunderbaren Traum zu träumen, aus dem mich irgendwann irgend
jemand unsanft weckt. Wir stiegen also am Times Square aus, und wurden
vom prallen Leben empfangen.
Die Fahrt ging um die
Südspitze Manhattans, vorbei an der berühmte Skyline New Yorks
mit den imposanten Twin Towers des World Trade Centers, an alten und neuen
Hochhäusern, an den Docks, an der Brooklyn-Bridge, vorbei an Ellis
Island (dort wo 1892-1917 die Einwanderungsstation der Neuankömmlinge
war). Und es ging natürlich auch noch an Miss Liberty vorbei. Und
das alles bei strahlendem Sonnenschein.
Schon die Eingangshalle
des Empire State Building war imposant. Alleine schon das riesige Wandrelief
vom Empire State Building und dazu kam dann noch die Weihnachtsbeleuchtung.
Nach einen Sicherheitsscheck
sind wir dann mit dem Expresslift nach oben auf die Aussichtsplattform
gefahren. Mittlerweile war es dunkel geworden. Als die Tür aufging,
und wir hinausgingen, stockte mir fast der Atem. Erstens vor Kälte
und Wind, zweitens vor dem berauschenden Ausblick auf Manhattan.
Es war einfach nur grandios.
Ich kann es gar nicht beschreiben, man muss es einfach gesehen haben um
das Gefühl, was ich hatte, zu begreifen. Das riesige Lichtermeer,
ein stetiges Donnern von dem Verkehrslärm, der sich an den Mauern
der Hochhäuser bricht, das blinken der Flugzeuge, die auf den nahegelegenen
Flughafen landen wollten oder gerade gestartet waren, das Glitzern der
Sterne.
Leider mussten wir dann
doch irgendwann wieder hinunter auf die Straße, denn wir hatten mit
der anderen Gruppe vereinbart, dass wir uns vor dem Rockefeller Center
treffen um dabeizusein, wenn der „Baum der tausend Lichter“ angezündet
wird.
Wie immer, wir kamen
zu spät. Die Anderen waren, wie wir später erfuhren, schon längst
da gewesen. Da es sie nicht wussten, ob wir überhaupt noch kommen
würden, sind sie also schon weg gewesen, als wir ankamen. Ich hatte
mir den Weihnachtsbaum etwas anders vorgestellt. Zwar schon so groß,
aber nicht mit bunten Lichtern, sondern nur ganz einfache, elektrische
Kerzen. So wirkte er fast etwas kitschig. Aber nichtsdestotrotz: typisch
amerikanisch, groß und bunt. Unterhalb des Weihnachtsbaums war eine
Eislaufbahn. Wir schauten also dem lustigen Treiben noch etwas zu, bis
es und schließlich doch zu kalt wurde und wir Hunger bekamen. Auf
unserer Suche nach etwas Geeignetem kamen wir u.a. auch an den MTV und
CBS Studios vorbei. Schließlich fanden wir einen Italiener. Dort
habe ich einen Pizzaslice gegessen. Getränke gab es wir immer im Plastikbecher.
Müde und halb erfroren
kamen wir ins Hostel zurück.
Am nächsten
Tag wollte die eine Gruppe die Miss Liberty und Ellis Island besuchen,
und wir wollten zum World Trade Center. Nach dem Frühstück machten
wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Diesmal nahmen wir den Bus nahe
am Central Park. Schon allein der Weg dorthin war sehenswert. Wir kamen
z.B. in das Viertel, wo der Film „ West Side Story“ gedreht wurde. Oder
an den Häusern vorbei mit den typischen Feuerleitern an der Außenseite,
oder wenn man mitten auf der Straße stehen blieb (manchmal konnte
man sogar das) sah man in der Ferne die Hochhäuser von Downtown Manhattan.
Dadurch, dass wir mit
dem Bus unterwegs waren, haben wir auf der einen Seiten viel von der Stadt
gesehen, auf der anderen Seite haben wir auch viel Zeit verloren, denn
der Bus kam nicht so schnell voran wie die U-Bahn. Für Busse gibt
es zwar einen Fahrplan, aber keine festen Zeiten, was bei dem New Yorker
Verkehrsverhältnissen auch schlecht möglich ist. Es hieß
also immer warten auf den nächsten Bus. Der konnte in fuenf Minuten
kommen, oder aber erst in einer viertel Stunde.
Allerdings muss ich hier
noch hinzufügen, dass mich die Stadtbusse von New York sehr beeindruck
haben, denn bei jedem Bus gab es einen Lift und zwei Rolliplätze.
Wenn also der Bus anhielt kam der Fahrer(rin) und machte die Mitteltüre
auf. Er ieß die Hebebühne herunter bzw. rauf und wenn man im
Bus war wurde der Sitz hochgeklappt und der Rollstuhl verankert, so dass
er nicht umkippen konnte. Erst wenn die Rollis alle verstaut waren öffnete
der Fahrer(rin) die Vordertüre und die neuen Fahrgäste konnten
einsteigen. Was mich am meisten beeindruckte: keiner der Leute fing an
zu murren, wenn er seinen Platz verlassen musste, weil er auf einem Rolliplatz
saß, und „wegen uns“ aufstehen musste, oder wenn es mal länger
dauerte. Auch die Fahrgäste, die noch auf Einlass warteten, ließen
alles mit großer Ruhe über sich ergehen. Niemand fing an zu
meckern, wenn es länger dauerte. Ich habe mir immer vorgestellt, ob
das hier in Deutschland auch so friedlich verlaufen würde. Ich glaube
nicht.
Wir fuhren also zu World
Trade Center (das Symbol der amerikanischen Finanzkraft). Die beiden 420
m hohen, 110stöckigen Zwillingstürme sind das höchste Gebäude
von New York (nach dem Sears Tower in Chicago die höchsten Gebäude
der USA).
Zuerst fuhren wir mit
dem Lift in ein Zwischenstockwerk, wo alle Besucher, die Eintrittskarten
kaufen mussten, einen Sicherheitscheck über sich ergehen lassen mussten.
Da wir bis jetzt immer sehr viel Glück mit Eintritt hatten (Begleitperson
hat in der Regel freien Eintritt auch in den USA) sollten wir hier nun
alle bezahlen. Das wollten wir aber nicht. Also wurde der Manager herbeigerufen
(Bob Zorn, der hatte schon den richtigen Namen). Er ließ sich nicht
erweichen, leider!
Aber die Atmosphäre
war anders als beim Empire State Building. Schon alleine dadurch, weil
das „ Observation Deck“ vollständig verglast war. Kein Verkehrlärm,
der sich an den Mauern der Häuser bricht und nach oben dringt, kein
Wind, der wehte, man hörte nur das Gemurmel der anderen Gäste,
ansonsten war es ganz still, so dass das gewisse Feeling ausblieb. Aber
nichtsdestotrotz, es hat sich trotzdem gelohnt, dass wir oben waren, alleine
schon wegen dem vergleich und weil man von hier aus das Empire State Building
von oben sehen konnte.
Auf dem Weg nach unten,
im Expresslift habe ich mal aufgepasst wie lange der Aufzug nach unten
brauchte. Für 107 Stockwerke genau eine Minute. Wahnsinn!
Dadurch, dass sich unsere
Verhandlungen mit Bob Zorn so in die Länge gezogen hatten, war es
schon fast15.30 h als wir wieder auf der Straße waren. Eigentlich
wollten wir ja noch in die Wallstreet und zur Börse, aber die macht
um 16.00h zu. Wir dachten uns, dass wir es gar nicht erst zu versuchen
brauchen hinzukommen, wenn wir doch keine Chance haben noch reinzukommen.
Also haben wir beschlossen, statt dessen ins „World Financial Center“ zu
gehen, es ist direkt gegenüber des World Trade Center, am Battery
Park.
Zwischen den Türmen
des „World Financial Center “ ist eine Art Wintergarten angelegt, der 38m
hoch und 61m lang ist. Er hat die Größe vom Grand Central Station..
Es gibt dort Restaurants, Geschäfte und Ruhebänke. Ab und zu
finden auch Konzerte und Veranstaltungen darin statt und da es Vorweihnachtszeit
war, war es auch schön geschmückt. Von den Lampen hingen Lichterketten
herunter, es sah phantastisch aus.
Da wir Hunger hatten
gingen wir in eines der Restaurants. Man hatte einen schönen Blick
auf einen kleinen Yachthafen und den Hubschrauberlandeplatz. Wir bestellten
uns also was zu Essen bzw. zu Trinken, genossen die Aussicht, und ruhten
uns von den Strapazen des Tages aus.
Als wir im Hostel ankamen,
stellten wir fest, dass die andere Gruppe schon da war. Auch sie hatte
einen erfolgreichen Tag. Da alle wieder hungrig waren nach einem Tag an
der frischen Luft, beschlossen wir einfach loszugehen und uns etwas zu
suchen.
Wir gingen also aus dem
Hostel raus, über die Straße und einen Block weiter, schon waren
wir am Broadway, allerdings da wo der Broadway etwas ruhiger ist und es
keine Theater mehr gibt.
Schließlich fanden
wir ein indisches Lokal. Ich war noch nie indisch essen, also noch ein
Abenteuer (so wie ich noch so manches kulinarische Abenteuer hatte; aber
dazu später).
Ganz wagemutig hatte
ich mir Hummer bestellt, allerdings keinen ganzen Hummer, sondern nur Stückchen,
es schmeckte ganz hervorragend. Ich werde so etwas bestimmt noch einmal
essen. Nach diesem exotischen Abendessen kehrten wir gestärkt ins
Hostel zurück.
Am nächsten Tag,
den 04.12.1999 sollte es in die 5th Avenue gehen.
Man kann halt nicht alles
haben. Also machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zur
Bushaltestelle und fuhren mit dem Bus zum Columbus Circle. Dort stiegen
wir aus, und beschlossen einen kurzen Spaziergang durch den Central Park
zu machen, denn es war herrliches Wetter, blauer Himmel und Sonnenschein
(und das mitten im Dezember).
Bevor wir uns auf den
Weg zur 5th Avenue machten, sonnten wir uns noch auf einer Bank und nahmen
noch einen kleinen Mittagsimbiss (Hot Dog) zu uns. Auf dem Rückweg
sind wir dann noch einigen Street-Dancern begegnet, denen wir noch eine
Weile fasziniert zuschauten. Es waren Kids zwischen ca. 7 und 13 Jahren
und es war schon recht gut was sie zu bieten hatten. Nach diesem 2. Zwischenstop
machten wir uns nun endgültig auf den Weg zur Bushaltestelle um zur
berühmten Einkaufsmeile zu kommen.
Mein lieber Mann, hier
tobte das Leben. Genauso hatte ich mir New York vorgestellt. Menschenmassen
ohne Ende. An manchen Stellen war sogar der Bürgersteig für die
Menschenmenge noch zu klein.
Hier war New York so
wie ich es mir vorgestellt hatte: erstens die große Menschenmasse,
und zweitens war hier die Stadt auch Weihnachtlich geschmückt. Aber
für Rollifahrer nicht sehr schön, denn ich bekam fast nichts
zu sehen von den Auslagen im Schaufenster der Nobelgeschäfte wie Dior,
Bulgari, Chanel, usw.
Trotzdem fanden wir dann
doch zu „Tiffanys“, ist ja auch kaum zu verfehlen. Von innen war es genauso
wie in dem Film „ Frühstück bei Tiffany´s“. Aber das Gedränge
war riesengroß, so dass man das gar nicht so richtig genießen
konnte, geschweige denn in Ruhe etwas auszusuchen. Gefunden habe ich aber
dann doch noch eine Kleinigkeit.
Anschließend sind
wir dann in noch einem Nobelkaufhaus, dem „Trump-Tower“gewesen, leider
war auch dieses Kaufhaus nicht in unserer Preisklasse. Hier muss ich noch
hinzufügen, dass ich mir vorgestellt habe, die ganze Stadt seit so
typisch amerikanisch geschmückt, wie man es im Fernsehen immer sieht.
Aber dem war nicht so. Nur die Einkaufsviertel waren so richtig geschmückt.
Sonst waren nur die Bäume in einigen Vierteln mit Lichterketten voll.
Dann der ganze Baum, alle Äste und auch der Stamm, das sah sehr gut
aus. Im Central Park stand ein großer Baum mit blauer Lichterkette,
der sah wirklich gespenstisch aus. In den Wohnvierteln sah man fast gar
keine Weihnachtsbeleuchtung oder -schmuck.
Von soviel Einkaufsbummel
und Schaufensteransehen habe wir dann auch Hunger bekommen. Nach einigem
Suchen hatten wir ein Chinesisches Fast-Food Lokal entdeckt, in dem das
Essen auch recht gut war. Nachdem wir uns für den Abend gestärkt
hatten, machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Hostel, dort hatten
wir uns mit der anderen Gruppe verabredet um den Abend gemeinsam zu verbringen.
Welch Wunder, wir waren
sogar pünktlich, den anderen waren erst kurz vor uns im Hostel angekommen,
die waren heute in Chinatown, Little Italy und Greenwich Village und hatten
auch einen sehr erfolgreichen Tag.
Wir wussten noch nicht
so richtig, was wir an diesem Abend noch unternehmen sollten. Wir gingen
also erstmal los in Richtung Broadway. Dort gab es zwar einige Lokale und
Clubs mit Live Musik, aber es gab soviel unterschiedliche Meinungen, dass
wir uns zu nichts entschließen konnten. Wir gingen also immer weiter,
bis wir schließlich auf dem Campus der Columbia University landeten.
Leider war es schon zu dunkel um alles genau zu erkennen. Es war schon
beeindruckend. Wir hätten unbedingt auch mal am Tag herkommen sollen
und eine Führung mitmachen müssen, es hätte sich bestimmt
gelohnt, schade.
Endlich fanden wir dann
doch eine Kneipe, die allen zusagte. In der Nähe der Universität.
Dort gab es dann eine amerikanische Bier-Spezialität, die ich bisher
nur aus Film und Fernsehen kannte: einen Pitcher Bier (1,5 ltr.
Bier in einem Krug, den
man dann am Tisch aufteilt). Natürlich reichte ein Pitcher nicht.
So haben wir dann mehrere getrunken.
Dieser Abend hat mit
sehr viel Spaß gemacht, denn außer dem ersten Abend waren wir
nie zusammen. Wir hätten das öfter machen sollen, denn so konnte
man noch mal über den vergangen Tag reden und hören, was die
Anderen alles erlebt hatten, und wie deren Eindrücke waren.
So kam nun der Sonntag herbei, der Letzte der erlebnisreichen Tage. Es sollte vom Wetter gesehen der schönste Tag werden. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den gewohnten Weg zur Bushaltestelle, denn wir wollten in das Guggenheim Museum (die andere Gruppe war im Museum of Modern Art). Da es warm war, und die
Sonne schien, beschlossen wir, nicht mit dem Bus zu fahren, sondern einfach
quer durch den Central Park auf die andere Seite des Parks, der 5th Avenue,
zu gehen und dann ins Guggenheim Museum.
Es gab auf unserem Weg
durch den Park viel zu sehen. Spaziergänger, Sonnenanbeter, Jogger,
Inlineskater, Skateboardfahrer, Powerwalker und der neuste Trend Rollerfahrer
(wird wohl im Sommer hier der große Renner werden). Die Einen in
voller Sportausrüstung von Markendesigner, die Anderen im guten Anzug.
Kurz gesagt: man sah Menschen von allen Sorten, und zwischendurch immer
präsent die Polizei (Park-Control). Und dann dieser Hintergrund, die
typische Skyline von Manhattan, wie man sie aus vielen Filmen kennt. Sie
ist wirklich so faszinierend wie im Film.
Es war unglaublich, manchmal
kam es mir vor wie im Traum, aber es war Wirklichkeit. Ich war wirklich
hier, hier in New York. Ich lag nicht zu Hause in meinem Bett und
ich habe nicht einen wunderschönen Traum geträumt. Es
war alles wirklich, kaum zu glauben, phantastisch, und dazu noch dieses
Bilderbuchwetter, man glaubte nicht, dass es der 6. Dezember war, sondern
es war eher wie Frühling.
Auf unserem Weg durch
den Park gab es viele verschiedene „Spielplätze“ (z.B. Volleyball,
Basketball und Baseball, typische amerikanische Spiele halt). Ab und zu
blieben wir etwas stehen und schauten dem Treiben etwas zu. Eigentlich
war der Tag viel zu schade für einen Museumsbesuch, aber wir wollten
ja schließlich auch etwas von der großen Kultur mitbekommen.
Das Guggenheim Museum
ist ein ziemlich futuristisch anmutendes Gebäude, schon die Architektur
ist einmalig. Man kommt rein, und ist auch schon mittendrin. Ganz umsonst
kann man sich die Glaskuppel ansehen. Aber wir wollten ja mehr sehen, also
bezahlten wir unseren Eintritt, gaben unser „Gepäck“ (Handtasche Fotoapparat
usw.) ab und fuhren mit dem Lift nach oben. Es war gerade eine Ausstellung
mit Bildern von dem Maler Clemente, ich hatte noch nie etwas von ihm gehört,
und ganz ehrlich gesagt, mir gefielen seine Bilder nicht. Zuviel Blut,
zuviel schwarz, zuviel Tod, zuviel Horror, also kurz gesagt dunkle, triste
Bilder.
Diese Bilder hingen also
in der ca. 430 m langen Rampenspirale und in jedem Stockwerk gab es auch
noch Abzweigungen in kleine Seitengalerien. Dort hingen dann auch die Bilder,
die mir schon besser gefielen (z.B. Kandinsky, Picasso, Mondrian, Mir,
Kegel, Lager und noch viele andere). Es gab große Gemälde, Federzeichnungen
und verschiedene Skulpturen.
Es hat mich schon sehr
beeindruckt, diese Bilder zu sehen und zu wissen, das sind die echten und
nicht irgendein Kunstdruck oder Poster.
Nach unserem Rundgang
mussten wir noch auf Christina und Birgit warten. Da es so wunderschönes
Wetter war (nachher habe ich gehört, es soll fast 18° warm gewesen
sein) haben wir vor dem Museum gewartet und dort haben wir dann auch noch
ein kleines Oper Air Konzert zu hören bekommen. Schon von weitem konnte
man Gesang hören und er kam immer näher. Auf einmal kamen 3 Farbige
um die Ecke und brachten den Leuten, die sich vor dem Museum sonnten, ein
Ständchen. Es war A-Kapella-Gesang (mag ich sowieso gerne). Ich weiß
leider nicht mehr wie die zwei oder drei Lieder hießen, die sie gesungen
haben, aber es war sehr schön und ich kann mir vorstellen, dass so
etwas im Sommer häufiger vorkommt.
Aber leider konnten wir
nicht ewig dort sitzen bleiben wir wollten uns am Abend im East Village
noch ein Musical ansehen. So langsam mussten wir uns auf den Weg dorthin
machen, denn wir wollten vorher noch etwas essen.
Das wurde nun mein zweites
kulinarisches Abenteuer, ich hatte noch nie im Leben Sushi gegessen. Als
wir am ersten Tag an einer Sushi-Bar vorbei kamen, sagte ich, ich würde
es ja mal gerne probieren. Schon dort hatten sich dann einige vorgenommen
es mal zu probieren.
An diesem Abend passte
es, direkt gegenüber vom Theater war ein Sushi-Lokal. Christina bestellte
sich doch lieber eine große Schüssel Hühnersuppe mit viel
Nudeln und Fleisch (aber gekocht).
Birgit, Martin und ich
haben Sushi bestellt. Es gab rohe Fischstücken mit Reis in Seetang
eingewickelt (6 Stück) und rohe Lachsstücke auf Reis (3 Stück).
Dazu gab es eine grüne Paste (weiß der Geier was das war, jedenfalls
war sie so scharf, dass es einem die Tränen in die Augen trieb), aber
zu würzen gab es auch noch Sojasoße. Mir hat es jedenfalls gut
geschmeckt und ich würde es immer wieder essen.
Gut gestärkt, ging
es nun nach gegenüber ins Musical, wir hatten Karten für „ Stomp“.
Es war ein kleines Theater.
Der Innenraum fasste ca. 300 Besucher. Es war sehr warm und eng, aber das
machte nichts, denn die Vorführung nahm einen so gefangen, dass man
gar nicht merkte, dass es so heiß war.
Ich hatte schon mal einige Ausschnitte von „Stomp“ im Fernsehen gesehen und schon da hat es mir gefallen. Aber das ist mit einer Live-Vorführung nicht zu vergleichen. Eigentlich hat das Musical keine richtige Geschichte. Es ist eine Aneinanderreihung von verschiedenen Szenen auf der Strasse. Anders als in einem anderen Musical wird hier weder gesprochen noch gesungen und richtige Musik gab es auch nicht. Es wird gezeigt, wie
man mit verschiedenen Geräten z. B. Besen, Stangen, Schläuchen,
Zeitungen, Streichholzschachteln, Mülltonnen aus Blech oder Kunststoff,
und Autoteilen Musik, bzw. Rhythmus erzeugen kann. Es ist schon toll wie
dieser Rhythmus und die Rasanz der Darstellung jemanden so gefangen nehmen
kann, so dass man alles rundherum vergisst und gar nicht merkt wie schnell
die 90 Minuten vorbei gegangen sind.
Da wir Rollifahrer auf
unseren Plätzen bleiben mussten bis alle anderen Besucher das Theater
verlassen hatten und wir dann erst in den Rollstuhl zurück konnten,
kamen wir sogar noch dazu einige der Darsteller persönlich kennenzulernen.
Sie erzählten uns, dass sie im kommenden Jahr (also 2000) auf Deutschlandtournee
gehen werden. Ich kann nur jedem empfehlen, sich dieses Stück anzusehen.
Vielleicht gefällt es euch ja auch so gut wie mir.
Das war also unser letzter
Abend und ich finde es war ein guter Abschluss.
Nach dem Frühstück
fingen wir an unsere Koffer zu packen. Anschließend gingen wir in
den Aufenthaltsraum des Hostels. Währen wir auf unseren Flughafenshuttle
warteten, konnten wir uns mal in Ruhe unterhalten, und jeder konnte seine
persönlichen Eindrücke und Erlebnisse erzählen.
Übrigens, es regnete
in Strömen, aber da wir doch nichts mehr unternehmen konnten, war
es uns egal, wir hatten ja vier Tage lang das herrlichste Wetter.
Endlich um 13.00 h ging
unser Transfer zum Flughafen los.
Die Fahrt war genauso
wie die erste Fahrt vom Flughafen ins Hostel, ein Höllentrip. Diesmal
setzte sich Oli gleich zu mir um mich aufzufangen falls ich wirklich umkippen
sollte.
Unser Rückflug, LH 401 sollte um 16.50 h (New York Zeit) losgehen. Der Pilot begrüßte uns und erzählte uns auch gleich, dass wir voraussichtlich nur 6 Stunden bis nach Frankfurt brauchen würden, da über Neufundland sehr starke Rückenwinde herrschen würden. Er sollte recht behalten, wir landeten schon um 5.00 h (deutscher Zeit) in Frankfurt. Da kaum Betrieb am Flughafen
war, bekamen wir auch ganz schnell unser Gepäck. Wir mussten nur noch
auf Katja warten, die uns abholen wollte. Sie kam auch recht schnell, und
wir waren schon um 08.30 h müde und völlig fertig in Marburg.
Zum Schluss muss ich
unbedingt noch eine kleine Anekdote hinzufügen, die glaube ich recht
typisch für Amerika ist. Es passierte gleich am zweiten Tag:
Wenn man den ganzen Tag
unterwegs ist, muss man ja auch schließlich mal auf Toilette, und
da ich einen starken Mann brauche, der mich hochheben muss, musste Martin
auch auf die Toilette mit. Bis jetzt hatte es da auch noch nie irgendwelche
Probleme gegeben, nur hier, in den sonst so offenen und fortschrittlichem
Land.
Also, der Reihe nach, wir waren den Tag unterwegs und wollten am frühen Abend auf die Aussichtsplattform vom Empire State Building, hier haben wir uns aber erst mal nach einer Toilette umgesehen. Wir fanden auch eine
die groß genug war. Wir marschierten nun zu dritt (Britta, Martin
und ich) ahnungslos in die Toilette. Plötzlich hörten wir hinter
uns die Toilettenfrau, die uns darauf aufmerksam machte, dass das hier
eine Damentoilette war und Männer hier nichts zu suchen haben, Martin
versuchte ihr zu erklären, dass er mitgehen müsse um mich zu
heben, aber die gute Frau war davon nicht zu überzeugen, entweder
ginge er raus, oder sie würde den Manager holen. Ich musste nun wirklich
dringend aufs Klo aber wir mussten den Raum verlassen während sie
den Manager holte. Nach einer ganzen Zeit kam der nun endlich herbei, wir
erzählten ihm was los war, und er ließ sich tatsächlich
erweichen, dass Martin mit rein durfte, welch Wunder. Allerdings ließ
er die Damentoilette evakuieren. Erst als alle Frauen draussen waren, durften
wir drei rein. Solange wie wir drin waren, durfte keine Frau in den Toilettenraum.
Und er, der Manager, stand vor der Tür, und passte auf, dass Martin
auch gleich wieder heraus kam und vor der Türe wartete, bis er wieder
gebraucht wurde.
Aber trotzdem muss ich
hier anmerken, Amerika bzw. die USA ist das ideale Land für Behinderte,
alles groß genug und breit genug.
Ich habe in dieser Woche
viel gesehen und viel erlebt, aber das beeindruckendste Erlebnis war der
Moment, als die Türe der Aussichtsplattform vom Empire State Building
aufging und den Blick über das nächtliche Manhattan freigab.
Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut wenn ich daran denke. Ich habe mir mit dieser
Reise einen Traum erfüllt, ich wollte schon immer einmal nach New
York und habe nie zu hoffen gewagt dass ich einmal dahin kommen würde,
aber ich habe es geschafft.
Und solche Erlebnisse
geben mir die Hoffnung, dass ich mir auch noch andere Träume erfüllen
kann, denn ich habe noch viele Träume.
Ein guter Freund, der
auch schon einmal in New York war, hat mir gesagt: „Diese Stadt kann man
entweder hassen oder lieben, was dazwischen gibt es nicht.“
Er hat recht gehabt, ich liebe diese Stadt „die niemals schläft“. Ich weiß, daß ich noch einmal nach New York kommen werde.
Johanna G., März 2000 |
Weitsprung
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