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Reise nach New York vom 01.12.1999 - 06.12.1999
 
 
Am 01.12.1999 sollte für mich ein Traum in Erfüllung gehen. Ich sollte endlich nach New York kommen.

 Es war ein Wunsch, den ich schon immer hatte, ich wußte nur nicht wie ich es mit meiner Behinderung schaffen sollte dorthin zu kommen. Aber die Mitarbeiter des Reisebüro „Weitsprung“ , mit denen ich schon im Frühjahr einen Urlaub auf Rhodos verbracht hatte, haben mir diese Reise ermöglicht.
 
 Eigentlich wurde die Idee schon auf Rhodos geboren. Aber wie gesagt, es war damals nur ein Gedankenspiel. Ich dachte nicht im Traum daran, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen würde. 
 

Es sollte also am 01.12.99 um 10.50 h mit Flug LH 400 der Lufthansa (einer Boeing 747-2000 ) losgehen.

Die Anfahrt nach Frankfurt war schon etwas stressig, da sehr viel Verkehr war und wir dadurch etwas später als vorgesehen am Flughafen ankamen. Wir haben unser Flugzeug noch rechtzeitig erreicht. Gott sei Dank!
  

Der Flug war etwas unruhig. Es gab einige Turbulenzen und wir mussten uns mehrmals anschnallen. Aber im Hinblick auf die Vorfreude endlich nach New York zu kommen war es halb so wild.
  

Gegen 13.40 h (amerikanischer Zeit) sind wir dann auf dem John F. Kennedy-Flughafen gelandet.
 
Man hatte mit schon gesagt, dass man in Amerika als Behinderter immer sehr zuvorkommend behandelt wird. Geglaubt habe ich es nicht so ganz. Es stimmt wirklich. Eine neue Erfahrung für mich und dazu noch eine gute. Nach dem auschecken wartete schon ein Shuttleservice vor dem Flughafen, der uns zu unserem Hostel in Manhattan bringen sollte.
 
Die Überraschung war groß, denn dieser kleine Bus hatte eine Hebebühne, sodass ich und die anderen Rollstuhlfahrer keine Probleme hatten in den Bus zu kommen. Ich erinnere mich noch ganz gut an Rhodos! (siehe „Die Reise nach Rhodos, Johanna G.“).
 
 Es ging also los, und es wurde ein kleiner Höllentrip für mich, denn der Fahrer fuhr recht schnell. Es gab viele Schlaglöcher und Spurrillen und der Bus war nicht sehr gut gefedert. Ich hüpfte also in meinen Rollstuhl hin und her. Es wurde so schlimm, dass sich Michael (einer der Begleiter) hinter mich stellen musst um mich etwas zu halten, sonst wäre ich bestimmt umgekippte und nichts wäre mehr mit New York gewesen.
 
 Endlich im Hostel angekommen, dauerte es noch eine ganze Zeit, bis wir in unsere Zimmer konnten.
 

Die „Jungs“, das waren Gerd, Linus, Peter, Ingo, Martin, Michael und Oliver bekamen ein 8-Bett Zimmer und die „Mädels“, das waren Christina, Britta, Birgit und ich ein 4-Bett Zimmer. Es gab Etagenbetten. Ein wenig schwierig für mich hineinzukommen, aber es ging gerade so. Es gab im Hostel nicht den Luxus eines Kleiderschranks oder einer Kommode. Wir mussten also buchstäblich aus dem Koffer leben. Wieder eine neue Erfahrung.
  

Aber wir wollten ja nur eine Woche bleiben und kamen sowieso nur zum Schlafen ins Hostel. Wozu brauchten wir also den Luxus eines Kleiderschanks.
 
 Am ersten Abend machte wir noch eine kleine Besichtigungstour und außerdem wollten wir ja auch noch etwas essen.
 
 Wir fuhren also mit dem Bus zum Lincoln Square.. Dort steht die Weltberühmte Metropoliten Opera (Met).
 
 Als ich die „Met“ das erste Mal sah, war ich etwas enttäuscht, denn ich hatte sie mir größer vorgestellt. Doch je länger ich davor stand, desto imposanter wirkte sie. Zuerst einmal die Glasfront, dann die Kronleuchter und nicht zu vergessen die beiden riesigen Chagalls („Les Sources de la Musique“ und „Le Triomphe de la Musique“) links und rechts. Die werden am Vormittag zugehängt, um sie vor der Sonneneinstrahlung zu schützen. 

Wir konnte sogar bis in Foyer gehen und uns dort umsehen.

Anschießend sind wir dann noch bei „Orloffs“ gewesen, einem Fast -food Restaurant und haben noch eine Kleinigkeit gegessen. Außerdem mussten wir uns unbedingt aufwärmen, denn es war sehr kalt, und es blies ein eisiger Wind. Ich habe nur gedacht, wenn es die nächsten Tage auch so kalt wird, dann können wir kaum alles Unternehmen, was wir vorhatten. Aber es sollte anders werden. Gott sei Dank.
 
 

Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück im Hostel (es gab Bagles, Muffins, Buttercroisantes und Joghurt; außerdem verschiedene Sorten Cornflakes, Marmelade und Obst, Kaffee, Tee und Saft) haben wir uns in 2 Gruppen aufgeteilt. Wir wollten mit dem Bus zum Times Square, und von dort aus zur Anlegestelle der Circle Line um eine dreistündige Bootsfahrt rund um Manhattan machen. 

Die erste Gruppe (Gerd, Linus, Peter, Ingo, Michael und Oli) haben es auch geschafft, aber wir (Christina, Britta, Birgit, Martin und ich) haben es nicht ganz geschafft. 
 

Bis zum Times Square ging alles ganz reibungslos. Unterwegs konnten wir schon die imposanten Wolkenkratzer Manhattans bewundern. Ich konnte es eigentlich gar nicht glauben, dass ich wirklich in New York war. Ich hatte immer das Gefühl, einen wunderbaren Traum zu träumen, aus dem mich irgendwann irgend jemand unsanft weckt. Wir stiegen also am Times Square aus, und wurden vom prallen Leben empfangen.
 
 Nachdem wir uns etwas orientiert hatten, machten wir uns auf den Weg zur Circle Line, denn wir wollten ja auch die Rundfahrt machen. 
 
 Nur gab es so viel zu sehen, dass wir unseren Zeitplan nicht ganz einhalten konnten. Wir sind am „Marriott-Marquise-Hotel“ 1535 Broadway 45th/46th Street vorbeigekommen. Vor dem Hotel standen die riesigen Stretchlimousine und auch andere Nobelkarossen. Britta meinte, wir sollten einfach ´mal reingehen. Das haben wir auch gemacht. Wir gingen also ins Foyer. In der Mitte war so etwas ähnliches wie ein Rondell. Daran waren rundherum gläserne Aufzüge befestigt und die Zimmer waren über einen rundumlaufenden Balkon zu erreichen, der vollkommen mit Grünpflanzen bedeckt war. Wir fuhren mit dem Lift die ganzen 42 Stockwerke hoch. Es sah schon sehr gut aus, wenn man hinunterschaute und die ganzen Stockwerke mit ihren Balkonen und Grünpflanzen sah. Man hatte auch einen herrlichen Blick über ein Teil vom Broadway durch die große Fensterfront.
 
 Nachdem wir wieder auf der Straße waren, machten wir uns weiter auf den Weg zur Anlegestelle. Es sollte noch lange dauern, bis wir dort endlich ankamen. Auf dem Weg dorthin kamen wir noch am Zentralen Busparkplatz vorbei. Dort gehen die Überlandbusse (z. B. „Greyhound“) ab. Außerdem kamen wir auch noch bei der berittenen Polizei von New York vorbei. Es war schon komisch, eben war man noch auf dem Broadway. Laut, bunt und quirlig und eine Straße weiter war von dem immerwährenden Lärm des Broadways nichts mehr zu spüren. Das war einer der vielen Gegensätze dieser Stadt. 
 
 Endlich kamen wir dann doch noch an der Anlegestelle der Circle Boat an. Die nächste Fahrt ging erst gegen 15.30 h los, da die Rundfahrt ca. 3 Stunden dauern sollte war uns das zu spät, so haben wir dann ganz schnell umdisponiert und wollten vom Pier 17 (unterhalb des Financial District), auch bekannt durch viele Filme, die kleine Rundfahrt (ca. 1 Stunde) machen. 
 

Die Fahrt ging um die Südspitze Manhattans, vorbei an der berühmte Skyline New Yorks mit den imposanten Twin Towers des World Trade Centers, an alten und neuen Hochhäusern, an den Docks, an der Brooklyn-Bridge, vorbei an Ellis Island (dort wo 1892-1917 die Einwanderungsstation der Neuankömmlinge war). Und es ging natürlich auch noch an Miss Liberty vorbei. Und das alles bei strahlendem Sonnenschein.
 
 Am Pier 17 liegt übrigens auch die Viermastbark „Peking“. Ein Museumsschiff (1911 bei Blohm & Voss in Hamburg gebaut, ein Schwesternschiff der „Passat“ und „Pamir“). Ein Besuch darauf hätte sich bestimmt auch gelohnt, aber die Zeit ging viel zu schnell vorbei, so dass wir leider keine Zeit mehr hatten, denn wir wollten noch auf das Empire State Building und uns anschließend mit der anderen Gruppe vor dem Rockefeller-Center treffen. Dort sollte am Abend der riesige Weihnachtsbaum angeschaltet werden.
 

Schon die Eingangshalle des Empire State Building war imposant. Alleine schon das riesige Wandrelief vom Empire State Building und dazu kam dann noch die Weihnachtsbeleuchtung. 
 

Nach einen Sicherheitsscheck sind wir dann mit dem Expresslift nach oben auf die Aussichtsplattform gefahren. Mittlerweile war es dunkel geworden. Als die Tür aufging, und wir hinausgingen, stockte mir fast der Atem. Erstens vor Kälte und Wind, zweitens vor dem berauschenden Ausblick auf Manhattan.
 

Es war einfach nur grandios. Ich kann es gar nicht beschreiben, man muss es einfach gesehen haben um das Gefühl, was ich hatte, zu begreifen. Das riesige Lichtermeer, ein stetiges Donnern von dem Verkehrslärm, der sich an den Mauern der Hochhäuser bricht, das blinken der Flugzeuge, die auf den nahegelegenen Flughafen landen wollten oder gerade gestartet waren, das Glitzern der Sterne. 
 
Diesen Anblick bzw. Ausblick werde ich nie mehr vergessen.

Leider mussten wir dann doch irgendwann wieder hinunter auf die Straße, denn wir hatten mit der anderen Gruppe vereinbart, dass wir uns vor dem Rockefeller Center treffen um dabeizusein, wenn der „Baum der tausend Lichter“ angezündet wird.
 
 

Wie immer, wir kamen zu spät. Die Anderen waren, wie wir später erfuhren, schon längst da gewesen. Da es sie nicht wussten, ob wir überhaupt noch kommen würden, sind sie also schon weg gewesen, als wir ankamen. Ich hatte mir den Weihnachtsbaum etwas anders vorgestellt. Zwar schon so groß, aber nicht mit bunten Lichtern, sondern nur ganz einfache, elektrische Kerzen. So wirkte er fast etwas kitschig. Aber nichtsdestotrotz: typisch amerikanisch, groß und bunt. Unterhalb des Weihnachtsbaums war eine Eislaufbahn. Wir schauten also dem lustigen Treiben noch etwas zu, bis es und schließlich doch zu kalt wurde und wir Hunger bekamen. Auf unserer Suche nach etwas Geeignetem kamen wir u.a. auch an den MTV und CBS Studios vorbei. Schließlich fanden wir einen Italiener. Dort habe ich einen Pizzaslice gegessen. Getränke gab es wir immer im Plastikbecher.
 

Müde und halb erfroren kamen wir ins Hostel zurück.
 
 

Am nächsten Tag wollte die eine Gruppe die Miss Liberty und Ellis Island besuchen, und wir wollten zum World Trade Center. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Diesmal nahmen wir den Bus nahe am Central Park. Schon allein der Weg dorthin war sehenswert. Wir kamen z.B. in das Viertel, wo der Film „ West Side Story“ gedreht wurde. Oder an den Häusern vorbei mit den typischen Feuerleitern an der Außenseite, oder wenn man mitten auf der Straße stehen blieb (manchmal konnte man sogar das) sah man in der Ferne die Hochhäuser von Downtown Manhattan.
 
 

Dadurch, dass wir mit dem Bus unterwegs waren, haben wir auf der einen Seiten viel von der Stadt gesehen, auf der anderen Seite haben wir auch viel Zeit verloren, denn der Bus kam nicht so schnell voran wie die U-Bahn. Für Busse gibt es zwar einen Fahrplan, aber keine festen Zeiten, was bei dem New Yorker Verkehrsverhältnissen auch schlecht möglich ist. Es hieß also immer warten auf den nächsten Bus. Der konnte in fuenf Minuten kommen, oder aber erst in einer viertel Stunde. 
 

Allerdings muss ich hier noch hinzufügen, dass mich die Stadtbusse von New York sehr beeindruck haben, denn bei jedem Bus gab es einen Lift und zwei Rolliplätze. Wenn also der Bus anhielt kam der Fahrer(rin) und machte die Mitteltüre auf. Er ieß die Hebebühne herunter bzw. rauf und wenn man im Bus war wurde der Sitz hochgeklappt und der Rollstuhl verankert, so dass er nicht umkippen konnte. Erst wenn die Rollis alle verstaut waren öffnete der Fahrer(rin) die Vordertüre und die neuen Fahrgäste konnten einsteigen. Was mich am meisten beeindruckte: keiner der Leute fing an zu murren, wenn er seinen Platz verlassen musste, weil er auf einem Rolliplatz saß, und „wegen uns“ aufstehen musste, oder wenn es mal länger dauerte. Auch die Fahrgäste, die noch auf Einlass warteten, ließen alles mit großer Ruhe über sich ergehen. Niemand fing an zu meckern, wenn es länger dauerte. Ich habe mir immer vorgestellt, ob das hier in Deutschland auch so friedlich verlaufen würde. Ich glaube nicht.
 
 

Wir fuhren also zu World Trade Center (das Symbol der amerikanischen Finanzkraft). Die beiden 420 m hohen, 110stöckigen Zwillingstürme sind das höchste Gebäude von New York (nach dem Sears Tower in Chicago die höchsten Gebäude der USA).

Zuerst fuhren wir mit dem Lift in ein Zwischenstockwerk, wo alle Besucher, die Eintrittskarten kaufen mussten, einen Sicherheitscheck über sich ergehen lassen mussten. Da wir bis jetzt immer sehr viel Glück mit Eintritt hatten (Begleitperson hat in der Regel freien Eintritt auch in den USA) sollten wir hier nun alle bezahlen. Das wollten wir aber nicht. Also wurde der Manager herbeigerufen (Bob Zorn, der hatte schon den richtigen Namen). Er ließ sich nicht erweichen, leider! 
 
Wir haben aber dann schließlich doch, nach langen, zähen Verhandlungen bezahlt, und konnte in den 107. Stock auf das verglaste „ Observation Deck “ fahren. Man hatte eine wunderbare Rundumsicht auf die Stadt, auf die Freiheitsstatue und Ellis Island, auf die Brooklyn Bridge, und andere markante Punkte in Downtown. 
 

Aber die Atmosphäre war anders als beim Empire State Building. Schon alleine dadurch, weil das „ Observation Deck“ vollständig verglast war. Kein Verkehrlärm, der sich an den Mauern der Häuser bricht und nach oben dringt, kein Wind, der wehte, man hörte nur das Gemurmel der anderen Gäste, ansonsten war es ganz still, so dass das gewisse Feeling ausblieb. Aber nichtsdestotrotz, es hat sich trotzdem gelohnt, dass wir oben waren, alleine schon wegen dem vergleich und weil man von hier aus das Empire State Building von oben sehen konnte.
 

Auf dem Weg nach unten, im Expresslift habe ich mal aufgepasst wie lange der Aufzug nach unten brauchte. Für 107 Stockwerke genau eine Minute. Wahnsinn!
 

Dadurch, dass sich unsere Verhandlungen mit Bob Zorn so in die Länge gezogen hatten, war es schon fast15.30 h als wir wieder auf der Straße waren. Eigentlich wollten wir ja noch in die Wallstreet und zur Börse, aber die macht um 16.00h zu. Wir dachten uns, dass wir es gar nicht erst zu versuchen brauchen hinzukommen, wenn wir doch keine Chance haben noch reinzukommen. Also haben wir beschlossen, statt dessen ins „World Financial Center“ zu gehen, es ist direkt gegenüber des World Trade Center, am Battery Park.
 

Zwischen den Türmen des „World Financial Center “ ist eine Art Wintergarten angelegt, der 38m hoch und 61m lang ist. Er hat die Größe vom Grand Central Station.. Es gibt dort Restaurants, Geschäfte und Ruhebänke. Ab und zu finden auch Konzerte und Veranstaltungen darin statt und da es Vorweihnachtszeit war, war es auch schön geschmückt. Von den Lampen hingen Lichterketten herunter, es sah phantastisch aus.
 

Da wir Hunger hatten gingen wir in eines der Restaurants. Man hatte einen schönen Blick auf einen kleinen Yachthafen und den Hubschrauberlandeplatz. Wir bestellten uns also was zu Essen bzw. zu Trinken, genossen die Aussicht, und ruhten uns von den Strapazen des Tages aus.
 

Als wir im Hostel ankamen, stellten wir fest, dass die andere Gruppe schon da war. Auch sie hatte einen erfolgreichen Tag. Da alle wieder hungrig waren nach einem Tag an der frischen Luft, beschlossen wir einfach loszugehen und uns etwas zu suchen.
 

Wir gingen also aus dem Hostel raus, über die Straße und einen Block weiter, schon waren wir am Broadway, allerdings da wo der Broadway etwas ruhiger ist und es keine Theater mehr gibt.
 

Schließlich fanden wir ein indisches Lokal. Ich war noch nie indisch essen, also noch ein Abenteuer (so wie ich noch so manches kulinarische Abenteuer hatte; aber dazu später).
 

Ganz wagemutig hatte ich mir Hummer bestellt, allerdings keinen ganzen Hummer, sondern nur Stückchen, es schmeckte ganz hervorragend. Ich werde so etwas bestimmt noch einmal essen. Nach diesem exotischen Abendessen kehrten wir gestärkt ins Hostel zurück.
 

Am nächsten Tag, den 04.12.1999 sollte es in die 5th Avenue gehen. 
 
Die andere Gruppe wollte nach Chinatown, und Little Italy. Das hätte ich auch gerne gesehen, aber ich wollte auch gern zur 5th Avenue und zu Tiffanys.
 

Man kann halt nicht alles haben. Also machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zur Bushaltestelle und fuhren mit dem Bus zum Columbus Circle. Dort stiegen wir aus, und beschlossen einen kurzen Spaziergang durch den Central Park zu machen, denn es war herrliches Wetter, blauer Himmel und Sonnenschein (und das mitten im Dezember). 

Bevor wir uns auf den Weg zur 5th Avenue machten, sonnten wir uns noch auf einer Bank und nahmen noch einen kleinen Mittagsimbiss (Hot Dog) zu uns. Auf dem Rückweg sind wir dann noch einigen Street-Dancern begegnet, denen wir noch eine Weile fasziniert zuschauten. Es waren Kids zwischen ca. 7 und 13 Jahren und es war schon recht gut was sie zu bieten hatten. Nach diesem 2. Zwischenstop machten wir uns nun endgültig auf den Weg zur Bushaltestelle um zur berühmten Einkaufsmeile zu kommen.
 

Mein lieber Mann, hier tobte das Leben. Genauso hatte ich mir New York vorgestellt. Menschenmassen ohne Ende. An manchen Stellen war sogar der Bürgersteig für die Menschenmenge noch zu klein. 
 
 

Hier war New York so wie ich es mir vorgestellt hatte: erstens die große Menschenmasse, und zweitens war hier die Stadt auch Weihnachtlich geschmückt. Aber für Rollifahrer nicht sehr schön, denn ich bekam fast nichts zu sehen von den Auslagen im Schaufenster der Nobelgeschäfte wie Dior, Bulgari, Chanel, usw.
 
 
 

Trotzdem fanden wir dann doch zu „Tiffanys“, ist ja auch kaum zu verfehlen. Von innen war es genauso wie in dem Film „ Frühstück bei Tiffany´s“. Aber das Gedränge war riesengroß, so dass man das gar nicht so richtig genießen konnte, geschweige denn in Ruhe etwas auszusuchen. Gefunden habe ich aber dann doch noch eine Kleinigkeit. 
 
 

Anschließend sind wir dann in noch einem Nobelkaufhaus, dem „Trump-Tower“gewesen, leider war auch dieses Kaufhaus nicht in unserer Preisklasse. Hier muss ich noch hinzufügen, dass ich mir vorgestellt habe, die ganze Stadt seit so typisch amerikanisch geschmückt, wie man es im Fernsehen immer sieht. Aber dem war nicht so. Nur die Einkaufsviertel waren so richtig geschmückt. Sonst waren nur die Bäume in einigen Vierteln mit Lichterketten voll. Dann der ganze Baum, alle Äste und auch der Stamm, das sah sehr gut aus. Im Central Park stand ein großer Baum mit blauer Lichterkette, der sah wirklich gespenstisch aus. In den Wohnvierteln sah man fast gar keine Weihnachtsbeleuchtung oder -schmuck.
 

Von soviel Einkaufsbummel und Schaufensteransehen habe wir dann auch Hunger bekommen. Nach einigem Suchen hatten wir ein Chinesisches Fast-Food Lokal entdeckt, in dem das Essen auch recht gut war. Nachdem wir uns für den Abend gestärkt hatten, machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Hostel, dort hatten wir uns mit der anderen Gruppe verabredet um den Abend gemeinsam zu verbringen.
 

Welch Wunder, wir waren sogar pünktlich, den anderen waren erst kurz vor uns im Hostel angekommen, die waren heute in Chinatown, Little Italy und Greenwich Village und hatten auch einen sehr erfolgreichen Tag.
 
 

Wir wussten noch nicht so richtig, was wir an diesem Abend noch unternehmen sollten. Wir gingen also erstmal los in Richtung Broadway. Dort gab es zwar einige Lokale und Clubs mit Live Musik, aber es gab soviel unterschiedliche Meinungen, dass wir uns zu nichts entschließen konnten. Wir gingen also immer weiter, bis wir schließlich auf dem Campus der Columbia University landeten. Leider war es schon zu dunkel um alles genau zu erkennen. Es war schon beeindruckend. Wir hätten unbedingt auch mal am Tag herkommen sollen und eine Führung mitmachen müssen, es hätte sich bestimmt gelohnt, schade.
 
 

Endlich fanden wir dann doch eine Kneipe, die allen zusagte. In der Nähe der Universität. Dort gab es dann eine amerikanische Bier-Spezialität, die ich bisher nur aus Film und Fernsehen kannte: einen Pitcher Bier (1,5 ltr.
 

Bier in einem Krug, den man dann am Tisch aufteilt). Natürlich reichte ein Pitcher nicht. So haben wir dann mehrere getrunken.
 

 
Dieser Abend hat mit sehr viel Spaß gemacht, denn außer dem ersten Abend waren wir nie zusammen. Wir hätten das öfter machen sollen, denn so konnte man noch mal über den vergangen Tag reden und hören, was die Anderen alles erlebt hatten, und wie deren Eindrücke waren.

So kam nun der Sonntag herbei, der Letzte der erlebnisreichen Tage. Es sollte vom Wetter gesehen der schönste Tag werden.
Nach dem Frühstück machten wir uns auf den gewohnten Weg zur Bushaltestelle, denn wir wollten in das Guggenheim Museum (die andere Gruppe war im Museum of Modern Art). 
 

Da es warm war, und die Sonne schien, beschlossen wir, nicht mit dem Bus zu fahren, sondern einfach quer durch den Central Park auf die andere Seite des Parks, der 5th Avenue, zu gehen und dann ins Guggenheim Museum. 
 
 

Es gab auf unserem Weg durch den Park viel zu sehen. Spaziergänger, Sonnenanbeter, Jogger, Inlineskater, Skateboardfahrer, Powerwalker und der neuste Trend Rollerfahrer (wird wohl im Sommer hier der große Renner werden). Die Einen in voller Sportausrüstung von Markendesigner, die Anderen im guten Anzug. Kurz gesagt: man sah Menschen von allen Sorten, und zwischendurch immer präsent die Polizei (Park-Control). Und dann dieser Hintergrund, die typische Skyline von Manhattan, wie man sie aus vielen Filmen kennt. Sie ist wirklich so faszinierend wie im Film. 
 
 

Es war unglaublich, manchmal kam es mir vor wie im Traum, aber es war Wirklichkeit. Ich war wirklich hier, hier in New York. Ich lag nicht zu Hause in meinem Bett und ich habe nicht einen wunderschönen Traum geträumt. Es war alles wirklich, kaum zu glauben, phantastisch, und dazu noch dieses Bilderbuchwetter, man glaubte nicht, dass es der 6. Dezember war, sondern es war eher wie Frühling.
 
 

Auf unserem Weg durch den Park gab es viele verschiedene „Spielplätze“ (z.B. Volleyball, Basketball und Baseball, typische amerikanische Spiele halt). Ab und zu blieben wir etwas stehen und schauten dem Treiben etwas zu. Eigentlich war der Tag viel zu schade für einen Museumsbesuch, aber wir wollten ja schließlich auch etwas von der großen Kultur mitbekommen.
 
 

Das Guggenheim Museum ist ein ziemlich futuristisch anmutendes Gebäude, schon die Architektur ist einmalig. Man kommt rein, und ist auch schon mittendrin. Ganz umsonst kann man sich die Glaskuppel ansehen. Aber wir wollten ja mehr sehen, also bezahlten wir unseren Eintritt, gaben unser „Gepäck“ (Handtasche Fotoapparat usw.) ab und fuhren mit dem Lift nach oben. Es war gerade eine Ausstellung mit Bildern von dem Maler Clemente, ich hatte noch nie etwas von ihm gehört, und ganz ehrlich gesagt, mir gefielen seine Bilder nicht. Zuviel Blut, zuviel schwarz, zuviel Tod, zuviel Horror, also kurz gesagt dunkle, triste Bilder.
 

Diese Bilder hingen also in der ca. 430 m langen Rampenspirale und in jedem Stockwerk gab es auch noch Abzweigungen in kleine Seitengalerien. Dort hingen dann auch die Bilder, die mir schon besser gefielen (z.B. Kandinsky, Picasso, Mondrian, Mir, Kegel, Lager und noch viele andere). Es gab große Gemälde, Federzeichnungen und verschiedene Skulpturen.

Es hat mich schon sehr beeindruckt, diese Bilder zu sehen und zu wissen, das sind die echten und nicht irgendein Kunstdruck oder Poster.
 

Nach unserem Rundgang mussten wir noch auf Christina und Birgit warten. Da es so wunderschönes Wetter war (nachher habe ich gehört, es soll fast 18° warm gewesen sein) haben wir vor dem Museum gewartet und dort haben wir dann auch noch ein kleines Oper Air Konzert zu hören bekommen. Schon von weitem konnte man Gesang hören und er kam immer näher. Auf einmal kamen 3 Farbige um die Ecke und brachten den Leuten, die sich vor dem Museum sonnten, ein Ständchen. Es war A-Kapella-Gesang (mag ich sowieso gerne). Ich weiß leider nicht mehr wie die zwei oder drei Lieder hießen, die sie gesungen haben, aber es war sehr schön und ich kann mir vorstellen, dass so etwas im Sommer häufiger vorkommt.
 

Aber leider konnten wir nicht ewig dort sitzen bleiben wir wollten uns am Abend im East Village noch ein Musical ansehen. So langsam mussten wir uns auf den Weg dorthin machen, denn wir wollten vorher noch etwas essen.

Das wurde nun mein zweites kulinarisches Abenteuer, ich hatte noch nie im Leben Sushi gegessen. Als wir am ersten Tag an einer Sushi-Bar vorbei kamen, sagte ich, ich würde es ja mal gerne probieren. Schon dort hatten sich dann einige vorgenommen es mal zu probieren. 
 
 

An diesem Abend passte es, direkt gegenüber vom Theater war ein Sushi-Lokal. Christina bestellte sich doch lieber eine große Schüssel Hühnersuppe mit viel Nudeln und Fleisch (aber gekocht).
 

Birgit, Martin und ich haben Sushi bestellt. Es gab rohe Fischstücken mit Reis in Seetang eingewickelt (6 Stück) und rohe Lachsstücke auf Reis (3 Stück). Dazu gab es eine grüne Paste (weiß der Geier was das war, jedenfalls war sie so scharf, dass es einem die Tränen in die Augen trieb), aber zu würzen gab es auch noch Sojasoße. Mir hat es jedenfalls gut geschmeckt und ich würde es immer wieder essen.
 
 

Gut gestärkt, ging es nun nach gegenüber ins Musical, wir hatten Karten für „ Stomp“. 
 
 

Es war ein kleines Theater. Der Innenraum fasste ca. 300 Besucher. Es war sehr warm und eng, aber das machte nichts, denn die Vorführung nahm einen so gefangen, dass man gar nicht merkte, dass es so heiß war.
 
 

Ich hatte schon mal einige Ausschnitte von „Stomp“ im Fernsehen gesehen und schon da hat es mir gefallen. Aber das ist mit einer Live-Vorführung nicht zu vergleichen. Eigentlich hat das Musical keine richtige Geschichte. Es ist eine Aneinanderreihung von verschiedenen Szenen auf der Strasse. Anders als in einem anderen Musical wird hier weder gesprochen noch gesungen und richtige Musik gab es auch nicht. 

Es wird gezeigt, wie man mit verschiedenen Geräten z. B. Besen, Stangen, Schläuchen, Zeitungen, Streichholzschachteln, Mülltonnen aus Blech oder Kunststoff, und Autoteilen Musik, bzw. Rhythmus erzeugen kann. Es ist schon toll wie dieser Rhythmus und die Rasanz der Darstellung jemanden so gefangen nehmen kann, so dass man alles rundherum vergisst und gar nicht merkt wie schnell die 90 Minuten vorbei gegangen sind. 
 

Da wir Rollifahrer auf unseren Plätzen bleiben mussten bis alle anderen Besucher das Theater verlassen hatten und wir dann erst in den Rollstuhl zurück konnten, kamen wir sogar noch dazu einige der Darsteller persönlich kennenzulernen. Sie erzählten uns, dass sie im kommenden Jahr (also 2000) auf Deutschlandtournee gehen werden. Ich kann nur jedem empfehlen, sich dieses Stück anzusehen. Vielleicht gefällt es euch ja auch so gut wie mir.
 

Das war also unser letzter Abend und ich finde es war ein guter Abschluss.
 
Der Montag kam und wir mussten abreißen, leider!
 

Nach dem Frühstück fingen wir an unsere Koffer zu packen. Anschließend gingen wir in den Aufenthaltsraum des Hostels. Währen wir auf unseren Flughafenshuttle warteten, konnten wir uns mal in Ruhe unterhalten, und jeder konnte seine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse erzählen.
 

Übrigens, es regnete in Strömen, aber da wir doch nichts mehr unternehmen konnten, war es uns egal, wir hatten ja vier Tage lang das herrlichste Wetter.

Endlich um 13.00 h ging unser Transfer zum Flughafen los.

Die Fahrt war genauso wie die erste Fahrt vom Flughafen ins Hostel, ein Höllentrip. Diesmal setzte sich Oli gleich zu mir um mich aufzufangen falls ich wirklich umkippen sollte.
 

Unser Rückflug, LH 401 sollte um 16.50 h (New York Zeit) losgehen.

Der Pilot begrüßte uns und erzählte uns auch gleich, dass wir voraussichtlich nur 6 Stunden bis nach Frankfurt brauchen würden, da über Neufundland sehr starke Rückenwinde herrschen würden.

Er sollte recht behalten, wir landeten schon um 5.00 h (deutscher Zeit) in Frankfurt. 

Da kaum Betrieb am Flughafen war, bekamen wir auch ganz schnell unser Gepäck. Wir mussten nur noch auf Katja warten, die uns abholen wollte. Sie kam auch recht schnell, und wir waren schon um 08.30 h müde und völlig fertig in Marburg.
 

Zum Schluss muss ich unbedingt noch eine kleine Anekdote hinzufügen, die glaube ich recht typisch für Amerika ist. Es passierte gleich am zweiten Tag:
 

Wenn man den ganzen Tag unterwegs ist, muss man ja auch schließlich mal auf Toilette, und da ich einen starken Mann brauche, der mich hochheben muss, musste Martin auch auf die Toilette mit. Bis jetzt hatte es da auch noch nie irgendwelche Probleme gegeben, nur hier, in den sonst so offenen und fortschrittlichem Land.
 

Also, der Reihe nach, wir waren den Tag unterwegs und wollten am frühen Abend auf die Aussichtsplattform vom Empire State Building, hier haben wir uns aber erst mal nach einer Toilette umgesehen.

Wir fanden auch eine die groß genug war. Wir marschierten nun zu dritt (Britta, Martin und ich) ahnungslos in die Toilette. Plötzlich hörten wir hinter uns die Toilettenfrau, die uns darauf aufmerksam machte, dass das hier eine Damentoilette war und Männer hier nichts zu suchen haben, Martin versuchte ihr zu erklären, dass er mitgehen müsse um mich zu heben, aber die gute Frau war davon nicht zu überzeugen, entweder ginge er raus, oder sie würde den Manager holen. Ich musste nun wirklich dringend aufs Klo aber wir mussten den Raum verlassen während sie den Manager holte. Nach einer ganzen Zeit kam der nun endlich herbei, wir erzählten ihm was los war, und er ließ sich tatsächlich erweichen, dass Martin mit rein durfte, welch Wunder. Allerdings ließ er die Damentoilette evakuieren. Erst als alle Frauen draussen waren, durften wir drei rein. Solange wie wir drin waren, durfte keine Frau in den Toilettenraum. Und er, der Manager, stand vor der Tür, und passte auf, dass Martin auch gleich wieder heraus kam und vor der Türe wartete, bis er wieder gebraucht wurde.
Lächerlich, aber auch das ist Amerika.

Aber trotzdem muss ich hier anmerken, Amerika bzw. die USA ist das ideale Land für Behinderte, alles groß genug und breit genug.
Die Menschen waren teilweise so hilfsbereit, dass es manchmal schon fast peinlich war. So etwas habe ich hier in Deutschland selten erlebt.

Ich habe in dieser Woche viel gesehen und viel erlebt, aber das beeindruckendste Erlebnis war der Moment, als die Türe der Aussichtsplattform vom Empire State Building aufging und den Blick über das nächtliche Manhattan freigab.
 

Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut wenn ich daran denke.

Ich habe mir mit dieser Reise einen Traum erfüllt, ich wollte schon immer einmal nach New York und habe nie zu hoffen gewagt dass ich einmal dahin kommen würde, aber ich habe es geschafft.
Und solche Erlebnisse geben mir die Hoffnung, dass ich mir auch noch andere Träume erfüllen kann, denn ich habe noch viele Träume.
Ein guter Freund, der auch schon einmal in New York war, hat mir gesagt: „Diese Stadt kann man entweder hassen oder lieben, was dazwischen gibt es nicht.“

Er hat recht gehabt, ich liebe diese Stadt „die niemals schläft“. Ich weiß, daß ich noch einmal nach New York kommen werde.

                                                             Johanna G., März 2000

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