Weitsprung-Gruppenreisen
Chalkidiki, 17.9.-1.10.2001
 

Der etwas andere Reisebericht  

Am Morgen des 17.09.2001 reise ich mit dem Pkw nach Marburg an um an der Reise nach Chalkidiki teilzunehmen. Obwohl ich mich schon als "erfahrenen" Reisenden bezeichnen möchte, da ich vorher schon mehrere Jahre mit einem anderen Reiseveranstalter für Behindertenreisen unterwegs war, hatte ich doch ein flaues Gefühl im Bauch. Es war ja schließlich meine erste Reise mit "Weitsprung".

 Die Fahrt nach Frankfurt zum Flughafen und dem dortigen Zusammentreffen mit den anderen Mitreisenden die nicht schon ab Marburg dabei, daß warten bis es endlich soweit war mit dem Flug gen Süden und eben all die anderes Dinge drumherum die noch zu erledigen waren, das war eigentlich wie immer, so wie ich es eben schon kannte.

 Nachdem wir dann am frühen Abend Ortszeit am Zielflughafen angekommen waren und eine noch etwas mehr wie 1 Stunde andauernde Busfahrt bis zum Hotel anstand, hatte sich mein flaues Gefühl noch nicht gelegt. Irgendwie war dann für mich doch einiges anders, da vor allem einige Mitreisende in anderer Weise behindert waren, wie ich es zwar kannte, aber noch nicht mit solchen auf einer Reise war. 

Wie das persönlich bei  mir so ist, es müssen erst 1 - 2 Tage vergehen um mich einzuleben und um mich an die anderen Mitreisenden zu gewöhnen und so. Doch auch das war diesmal anders, denn eigentlich schon am nächsten Tag wünschte ich mir wieder zu Hause sein zu können, denn ich glaubte nicht das es mir in den 14 Tagen gefallen würde. Das Wetter war zwar von Anfang an ausgezeichnet und das freute mich auch, aber da waren halt die anderen "Umstände". Aus dem Grund hat man mich meistens in den ersten Tagen nur bei der Essenaufnahme morgens und abends im Hotel selbst gesehen. Ansonsten verbrachte ich einen großen Teil der Zeit damit auf meinem Zimmer rumzugammeln oder aber Hotelgelände mit dem Rolli zu erkunden. Es viel deswegen auch unserem mitgereisten "Kameramann" Ha Jo schwer mich auch Video zu bannen!

 Am 3 Tag der Reise ließ ich mich dazu überreden mit Birgit, Silke und Kerstin mal mit dem Taxi der nächstgelegenen Stadt Kalithea einen Besuch abzustatten und ein bißchen zu bummeln.

 Während dieser Zeit zerbröckelte ein wenig die Mauer die ich zwischen den anderen Reiseteilnehmern aus der Gruppe und mir aufgebaut hatte. Man "beschnupperte" sich halt und mein Eindruck den dabei gewann war erstaunlich positiv - und der erste Eindruck ist ja immer der Beste! Was sich dann im nachhinein auch bestätigen sollte.

 Am Abend des gleichen Tages konnte ich dann noch mal bei einem Glas Wein in der Hotelbar zusammen mit Birgit mehr +über alles erfahren und auch umgekehrt, denn ich erzählte dabei auch hier weitaus mehr von mir selbst. Von diesem Zeitpunkt an war das "Eis gebrochen" und es fing an mir richtig Spaß zu machen.

 Zwar nahm ich auch an den nachfolgenden Tagen nach wie vor nicht an allem teil was angeboten wurde, wozu man auch nicht gezwungen war, aber trotzdem sah ich doch alles viel lockerer. Da ich selbst sowieso vor allem kein Discogänger bin, war z. B. gar nicht schlimm hier nicht dabei zu sein wenn Disco, zumindest für einen Teil der Gruppe angesagt war um mal richtig abzutanzen oder so.

 So ergab es sich eben das einige aus der Gruppe immer wieder mal was zusammen machten, weil eben die gleichen Interessen hatten und so. Für die "Nichtdiscogänger" bot sich aber auch etwas an, nämlich am Abend mal zum Strand zu rollern/gehen, dort über Gott und die Welt zu reden, einfach nur dem Meeresrauschen zuzuhören oder in den Sternenhimmel zu sehen - also Romantik pur genießen!

 Die Tage vergingen dann auch für mich wie im Fluge, natürlich unterbrochen durch  Ausflüge an denen ich teilnahm, die allesamt schön waren und Spaß gemacht haben. Am schönsten empfand ich es für mich selbst, wenn man einfach irgendwo saß, über alles mögliche geredet hat und ich dadurch nebenbei alles besser kennenlernen und verstehen konnte was da so ablief.

 Eine Gute und schöne Erfahrung war dabei für mich mehr über die anderen Mitreisenden zu erfahren und festzustellen das einfach alle dazu gehören mußten und nicht wie ich dachte, da sie zum Teil "anders" waren, auch nicht zu uns gehören sollten. Ich spürte auch, dass das gesamte Helferteam mit großem Einsatz und vor allem sehr viel Spaß dabei war, es ihnen Freude machte die Leute glücklich und zufrieden zu sehen. Das alles "passierte" auf eine völlig ungezwungene, lockere und unaufdringliche Weise, die mich doch sehr beeindruckte. Wenn man merkt, daß jemand ein Problem oder Sorgen hatte, sich selbst nicht traute was zu sagen, dann war immer einer da und so wurde es auch mir leicht gemacht. Durch Worte und Gesten und kleinen Hilfestellungen – soweit mir das möglich war – Habe ich versucht ein wenig von dam zurückzugeben was man mir selbst  entgegengebrachte, weil ich einfach Spaß daran hatte und es mir am Herzen lag auch anderen selbst mal eine Freude bereiten zu können.

 Bei all diesen Unternehmungen und so rückte schon bald der Tag der Abreise heran und ich verspürte irgendwie gar keine Lust nach Hause zu wollen.

 An einem der vergangenen Tage hatte es schon einmal Abschied nehmen gehießen, denn eine Mitreisende konnte aus Termingründen nicht länger bleiben. Auch ihr fiel es schwer abzureisen und gerne wäre sie bis zum Schluß dabei geblieben. Mit der Erkenntnis aber dass es wohl sicher mal ein Wiedersehen geben wird, fiel es dann etwas leichter.

 Nachdem der „harte Kern“ am Flughefen Abschied von Silke genommen hatte, begann das Abenteuer des Tages, nämlich eine Tour mit dem Pkw durch die Altstadt von Saloniki. Es war spannend und hat riesigen Spaß gemacht und vor allem Birgit hatte sich das leckere Essen verdient – was wir Abends mit einem herrlichen Blick auf die, zu dem Zeitpunkt hell erleuchtete Stadt einnahmen – weil sie uns mit großem Geschick durch die „Strassen“ der Altstadt chauffiert hat. Jürgen hatte auch immer wieder neue „entdeckt“!!

 Nach diesem Tag des Abenteuers dauerte es aber nun leider tatsächlich nicht mehr lange und alle mußten Abschied nehmen von allem und allen, auch vom Hotelpersonal, das uns in der Zwischenzeit richtig mochte – weil wir doch so liebe Gäste waren!

 Mir tat es auch sehr leid bald schon wieder nach Hause zu müssen und wie schon erwähnt hatte ich darauf total keine Lust und wäre gerne noch einige Tage geblieben. Das aber ging nicht! In der Hoffnung bald wieder an einer anderen Reise teilzunehmen, versuchte ich es damit mir nicht ganz so schwer zu machen.

 Dann war es soweit und wir mußten abreisen! Auf dem Flug nach Hause – nachdem vorher mit etwas Streß verbunden, vor allem für´s Helferteam, am Flughafen alles geklappt hatte – konnte ich dann in einem Gespräch die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren lassen und zum Ausdruck bringen, dass es echt schön war. Bei der Landung in Frankfurt erwartete uns auch gleich wieder das für diese Jahreszeit typische Wetter – es regnete! Als letzten Stressfaktor war dann die Gepäckannahme zu bewältigen und dann war es wirklich soweit mit verabschieden. Ein letzter Händedruck oder Umarmung und dann ging es für jeden darum seinen eigenen Weg nach Hause anzutreten und in den üblichen Alltag einzukehren.

 Was mir diese Reise gebracht hat?! Am Anfang war es recht schwierig für mich, aber alle Vorbehalte und so wurden mir im Verlauf dieser Tage genommen, durch die guten Gespräche und auch die Erlebnisse bzw. vor allem die „Ereignisse“ mit den anderen Mitreisenden, die mich, von ihnen unbemerkt, eine ganze Menge habe lernen lassen.

 Ich bin mir sicher schon so bald wie möglich an einer anderen Reise teilzunehmen. Es war einfach schön, ich habe neue Freunde/innen gewonnen und vor allem weiß ich nun dass es keine Unterschiede darin gibt welche Art die Behinderung eines Menschen ist. Vielleicht sind wir sogar alle ein wenig „behindert“!

 In der Gewißheit bald wieder bei einer Reise dabei zu sein und dann vielleicht einige der Leute wieder zu treffen oder andere, die bestimmt genauso lieb und nett sind, möchte ich nun meinen persönlich gehaltenen Reisebericht beenden.

 Vielleicht, irgendwann werden wir dann wieder an den Strand rollern/gehen, über Gott und die Welt reden, dem rauschen des Meeres zuhören oder einfach nur in den Sternenhimmel schauen – und schweigen.

 Volker D., Oktober 2001           

Weitsprung
Reiseberatung für Behinderte, Nichtbehinderte und Senioren

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