
| Vietnam, 2.1.-18.1.2002 |
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3.1.2002: Das
Gefühl ist einfach ziemlich klasse: Wir sind in Vietnam, in Saigon (oder,
wie es nach der Befreiung durch den Norden heißt, Ho Chi Minh Stadt!).
Allein die Reiseroute klingt fantastisch: Frankfurt-Paris-Bangkok-Saigon! Wir,
das sind zwei Reisebegleiter von Weitsprung, und drei Reisende mit
unterschiedlichen Behinderungen. Nach
einem sehr langen Flug, einer ziemlich spannenden Fahrt vom Flughafen zum
Hotel und eigentlich recht wenig Aufregung während des Fluges haben wir
unseren ersten Ausflug an den Saigon-Fluss unternommen. Es
ist bereits gegen 20.00 Uhr Ortszeit, das heißt sechs Stunden weiter als
in Deutschland, und das Gewusel in der Stadt ist unbeschreiblich. Zunächst
brauchen wir etwa eine Dreiviertelstunde um aus dem Hotel herauszukommen.
Sofort lernen wir Hotelpersonal kennen. Superfreundlich die Menschen. Dann
unser erster Kontakt mit den Straßenhändlern, die alles Mögliche
anzubieten haben, direkt nach fünf Metern aus dem Hotel. Eine
exotische Frucht wird uns angeboten. Man kann sie schälen, und Magda
erinnert an die Weisheit zu einer gesunden Ernährung hier in Vietnam: -
peel
it -
cook
it -
or
forget it was
soviel bedeutet wie: -
schäle
es -
koche
es -
oder
vergesse es Die Frucht ist so groß wie ein Apfel, man kann sie schälen (das ist gut so!!), und es kommt sehr saftiges, weißes Fruchtfleisch zum Vorschein. Die Frucht ist lecker, doch die anschließende Diskussion um die Bezahlung überfordert uns noch ein wenig, denn wir haben zwar Geld an der Rezeption umgewechselt, aber wir haben noch nicht die rechte Ahnung, was das Geld Wert ist. 4.1.2001: Frühstück
im Hotel und dann geht es ab in die City. Zunächst
gehen wir zur City-Hall, die ist in unmittelbarer Nähe unseres Hotels.
Auf dem Weg dorthin begegnen wir einem Vietnamesen, der uns anspricht. Er
bietet seine Dienste als Tourguide an. Wie sind etwas vorsichtig, wollen
erst mal die Preise für diese Dienstleistung checken und verabreden uns
an gleicher Stelle für Nachmittags mit dem Mann. Hoa ist sein Name, und
es sei bereits hier vorweggenommen, er wird unser Guide für mehrere
spannende Ausflüge werden. Dann geht es weiter zur katholischen Kirche
Notre Dame. Weiter geht es Richtung Parlamentsgebäude, der
Reunification-Hall. Ein kleines Café lädt zu einer Pause ein. Das Café
hat leider keine Toiletten, deshalb gehen wir in ein anderes,
nahegelegenes Restaurant. Das
Personal ist superfreundlich und stolz, uns eine beachtliche Sammlung an
Echsen zu zeigen. Alle
leben so mehr oder weniger. Alle sind zum Verzehr bestimmt!!!!! Wir
gehen weiter, genießen in vollen Zügen das Schlendern in der
vietnamesischen Metropole mit etwa fünf Millionen Einwohnern. Nach
der Stärkung geht es zum Parlamentsgebäude. Davor ist ein großer,
schattiger Platz, auf dem unzählige Menschen ihre Mittagspause zu genießen
scheinen. Auf
dem Gelände der Reunification-Hall ist ein schöner Garten mit allerlei
exotischen Pflanzen, den schauen wir uns natürlich besonders genau an. Dann
geht es in das ehrwürdige Gebäude. Die Architektur ist zweckmäßig und
nicht außergewöhnlich schön. Spannend
ist bei unserem Rundgang das Dach, welches als Hubschrauberlandeplatz
dient und einen tollen Rundblick auf die Umgegend gestattet. Nicht zu
vergessen ein Raum, der zur Entspannung dient, und in dem mehrere typisch
vietnamesische Instrumente stehen und vorgeführt werden. Auch
wir dürfen mal musizieren, und ein Gefühl für den Klang der Instrumente
entwickeln. Danach
machen wir noch einen Rundgang durch den schönen Blumengarten und schauen
uns zwei Panzer an, die in diesem Garten stehen. Es sind die Panzer der
Partisanen (der sogenannten Vietcong), die während des Vietnamkrieges das
Tor des Parlamentsgebäudes durchbrachen und damit eindrucksvoll
demonstrierten, dass sie bereits einen großen Teil der heiß umkämpften
Region kontrollierten. Wir
gehen wieder Richtung Hotel, und lassen uns in einem Café nieder. Hier
sitzt auf einem Baum ein angeketteter Affe und in einem Käfig liegen
Hunde, und ein Adler schaut traurig aus seinen Gitterstäben Sind
die Hunde für den Verzehr gedacht? Na ja, wir werden hier nicht weiter
nachforschen, auf jeden Fall geht man hier etwas anders mit Tieren um als
bei uns. Das ist sehr gewöhnungsbedürftig! Straßenhändlerinnen
und Straßenhändler versuchen uns ihre Ware zu verkaufen. Teilweise fühlen
wir uns etwas unwohl, denn die Armut der auf der Straße lebenden Menschen
hat hier ein für uns sehr unbekanntes Ausmaß. Um
einen Überblick über die aktuellen Preise für Tagesausflüge mit
Tourguide zu bekommen, schauen wir bei Saigon-Tourist vorbei. Mit den
Informationen gehen wir zu Hoa, dem Mann, der uns vormittags angesprochen
hat, und uns seine Dienste als Tourguide anbot. Er steht tatsächlich am
vereinbarten Ort, und wir treten in Verhandlungen ein. Für
den nächsten Tag vereinbaren wir einen Ausflug zum Tempel von Tai Ninh
und den Höhlen von Cu Chi. Der Preis ist sehr fair, wir werden morgen früh
gegen 8.30 Uhr starten und in einem klimatisierten Minibus fahren. Den
schönen „Januarabend“ bei lauen Temperaturen genießen wir auf der
Dachterrasse des legendären Rex Hotels. Hier wurden während des
Vietnamkrieges die Pressekonferenzen der Amerikaner abgehalten. Die
Aussicht ist sehr schön. Der von unten aufsteigende Lärm ist nichts
wirklich neues mehr. Daran haben wir uns gewöhnt, es gehört einfach zu
Saigons Straßenverkehr, dass man mit der Hupe kommuniziert. Nach
einem guten Abendessen und einigen Cocktails J
gehen wir zurück ins Hotel und versuchen im Chatroom von Weitsprung
interessierte Gesprächspartner zu erreichen. Wir haben uns für 15.00 Uhr
MEZ angekündigt, das heißt 21.00 Uhr nach Saigoner Zeit. Leider schaffen
wir es aufgrund technischer Probleme nicht, den Chatroom zu betreten.
Schade!! 5.1.2002: Wir
beginnen den Tag mit einem tollen Frühstück im Hotel und werden um 8.45
Uhr von Hoa erwartet. Die
erste Station wird uns zur Tempelanlage von Tay Ninh führen. Hier steht
ein großer, buddistischer Tempel, der sehr bunt und reichhaltig geschmückt ist. Die
Fahrt nach Tay Ninh ist erst einmal eine Art „Feuertaufe“ hinsichtlich
der hiesigen Fahrgewohnheiten. Hauptunfallursache
in Vietnam sind Frontalzusammenstöße mit überhöhter Geschwindigkeit.
Nun wissen wir, wie das aus einem fahrenden Auto aussieht... Die
Fahrt ist aber auch landschaftlich sehr interessant.
Es dauert sehr lange, bis wir das Gefühl haben an den Stadtrand zu
gelangen. Die Straße ist gesäumt von Geschäften und Händlern. Als wir
die ersten Reisefelder und Wasserbüffel sehen wird es ländlich. Nach
einer etwa zweistündigen Fahrt erreichen wir Tay Ninh. Wir kommen
rechtzeitig zu einer Prozession, an der wir teilnehmen können. Es gibt
eine Terrasse im Innnern des Tempels, von der wir das Geschehen unter uns
beobachten und andächtig lauschen. Im
Anschluss an die Prozession besichtigen wir den schönen Tempelgarten.
Hier sind schöne Blumenbeete angelegt und überall stehen kleine Gebetstürme. Bereits
nach kurzer Zeit werden wir begrüßt von drei kleinen Mädchen, die uns
ganz interessiert mustern und versuchen mit uns zu sprechen. Nach
dem Aufenthalt in Tay Ninh geht
es, durch Gummibaum-Wälder hindurch, weiter nach Cu Chi. Dieser Ort war während
des Vietnamkrieges sehr bedeutend für den vietnamesischen Widerstand
gegen die Amerikaner. In drei Etagen wurde ein Höhlensystem errichtet,
welches in 20m Tiefe eine Gesamtlänge von über 200km erreicht, und von
der Infrastruktur eine komplette Stadt ist. Es gab Schulen,
Komandozentralen, Hospitäler und natürlich Wohnräume. Die Höhlen sind
mittlerweile für Touristen zugänglich, und man bekommt einen guten
Eindruck, unter welchen Umständen die Menschen hier jahrelang lebten. Am
Ende unserer Besichtigung eines Teils der Anlagen, es führte uns übrigens
ein Soldat durch das Gelände, setzen wir uns mit Hoa an einen Tisch und
reden noch ein wenig über unsere Eindrücke. Hoa hat uns etwas zu Essen
besorgt. Es sind weiße Früchte, die von der Form und der Farbe her
Bananen ähneln, und etwas nach Kartoffeln schmecken. Diese Frucht, eine
Wurzel wie wir erfahren, war während des Vietnamkrieges gegen die
Amerikaner Hauptnahrungsmittel, da die Reisfelder in dieser an sich sehr
fruchtbaren Gegend zerstört wurden.
Am
Ausgang der Anlage erwartet uns noch ein kleiner Schock: Wir werden
vorbeigeführt an mehreren Käfigen, in denen Tiere zur Schau gestellt
werden. Leider sind die Käfige sehr klein und die Ausstattung wirkt nicht
sehr artgerecht. Wieder ein Hinweis darauf, dass man mit Tieren hier doch
etwas anders umgeht, als wir es nachvollziehen können. Auf
der Rückfahrt nach Saigon wird es dunkel, und die von unserem Fahrer gewählte
Abkürzung führt uns mitten durch einen belebten Straßenmarkt. Hätte
nie gedacht, dass man hier mit einem Auto durchkommt! Zum
krönenden Abschluss dieses schönen Tages führt uns Hoa in ein typisch
vietnamesisches Lokal, und gibt weitere Anregungen, was es an Leckereien
zu entdecken gibt. 6.1.2002: Es
ist Sonntag, wir beschließen zum katholischen Gottesdienst
in die Kirche Notre Dame zu
gehen. Wir schauen uns die Kirche im Anschluss noch an und sind entzückt
über die Weihnachtskrippe, die an einem Flügel aufgebaut ist. Sie ist
sehr groß, und mit unzähligen bunten Lichtern geschmückt. Vor
der Kirche erwarten uns mehrere Menschen, die uns um ein Almosen bitten.
Einigen von ihnen fehlen Gliedmaßen oder sie wirken sehr gebrechlich. Der
Gegensatz zwischen Arm und Reich ist sehr krass, und wird uns immer wieder
begegnen und beschäftigen. Neben
der Kirche Notre Dame, sie ist übrigens nicht zu vergleichen mit ihrer
Namensvetterin in Paris, steht ein weiteres gut erhaltenes Gebäude aus
französischer Kolonialzeit, es ist das Postamt. In
diesem Gebäude halten wir uns sehr lange auf, denn es ist sehr schön und
es gibt einen gut sortierten Souvenirshop. Vorbei
am Parlamentsgebäude, der Reunification Hall, gehen wir zum Ben Tanh
Markt. Unser Weg führt uns entlang unzähliger spannender Geschäfte und
toller Straßenszenen. Immer wieder bleiben wir fasziniert stehen, wenn
zum Beispiel ein mit drei Wohnungstüren beladenes Fahrrad an uns vorbeifährt.
Der
Ben Tanh Markt findet täglich in riesigen Markthallen statt. Hier gibt es
alles zu kaufen was das Herz begehrt: Stoffe, Geschirr, Gebrauchsgüter,
Essen und Trinken, Kleidung und Schmuck. Nach
über zwei Stunden Bummeln (und wir sind alle fündig geworden!!!),
begeben wir uns auf die Suche nach dem legendären Sinh-Café. Wir überqueren
eine Straße vor dem Markt, die selbst uns, die wir den Saigoner Straßenverkehr
nun schon etwas gewöhnt sind, schwer beeindruckt. Der zu überquerende
Platz ist sicherlich so groß wie ein Fußballfeld und voll von sich mehr
oder weniger schnell und laut bewegenden zwei- drei und vierrädrigen
Fahrzeugen. Das
Sinh-Café ist Lokal und Buchungszentrale zugleich. Hier findet man viele
sogenannte „Backpacker“, die mit ihren Rucksäcken das Land erkunden.
Da wir heute sehr viel gelaufen sind, beschließen wir, uns zu unserem
Hotel zurückfahren zu lassen. Gilda
und Julia nehmen ein Taxi. Magda, Jürgen und Martin mieten sich ein Cyclo.
Das ist ein Fahrrad mit einem Sitzplatz vorne. Das macht irre Spaß!! Nach
einer kurzen Erfrischungspause im Hotel, treffen wir Hoa in der Lounge des
Hotels und besprechen unsere weiteren Ausflugspläne mit ihm. Morgen soll
es ins Mekong-Delta gehen. Darauf freuen wir uns ganz besonders. Vor dem Abendessen trinken wir noch einen Cocktail auf der Dachterrasse des Caravelle-Hotels, welches unweit unseres Hotels ist. Direkt am Theater ist es gelegen, hat fünf Sterne und bietet wieder einen fantastischen Blick auf die abendliche Stadt. 7.1.2002: Wir
werden von Hoa um 7.30 Uhr in unserem Hotel abgeholt. Wir quälen uns
durch das bereits lange erwachte Saigon in Richtung Mekong-Delta. Die
Provinzhauptstadt Can Tau ist unser Ziel. Es sind etwa 200 km dorthin, das
bedeutet mindestens fünf Stunden reine Fahrzeit. Wir
fahren zunächst durch Chinatown (Cholon) und werden von Hoa aufgeklärt,
dass die hier lebenden Menschen ganz anders seien als die Vietnamesen.
„Die Chinesen seien immer beschäftigt“, erklärt er uns. Also viel
beschäftigter als die Vietnamesen. Das können wir uns einfach nicht so
recht vorstellen, wie das funktionieren soll, und wir nehmen diese
Information etwas amüsiert zur Kenntnis. Vielleicht werden wir es besser
verstehen, wenn wir diesen Stadtteil später selbst erkunden. Bei
Tan An machen wir unsere erste Pause in einem schönen Lokal an der Straße.
Direkt neben dem Lokal ist ein frisch angelegtes Reisfeld, natürlich
gehen wir auch mal in das bewässerte Feld, und wollen erleben, wie sich
das anfühlt in dem wadentiefen Schlamm. Unseren
Durst löschen wir, in Hängematten liegend, mit frischen Kokosnüssen. Wir
sind außerhalb des Einzugsgebietes von Saigon, und die Landschaft wird
immer traumhafter. Kleine Ortschaften liegen inmitten grüner Reisfelder
wie Oasen und überall gibt es Palmen. Das
Land ist hier sehr fruchtbar, an mehreren Stellen reicht das Wasser bis an
die Straße heran. In den Ortschaften herrscht geschäftiges Treiben. Die
Straßen sind voll von Fahrrädern und Mopeds, an den Straßenrändern
wird gearbeitet, gehandelt, transportiert und Ware angeboten. Über eine
von Australiern gebaute Brücke überqueren wir den ersten größeren
Seitenarm des Mekong. Er ist riesig und die Brücke entsprechend groß.
Sie erinnert ein wenig an die Golden Gate Bridge in San Franzisko. Unsere
nächste Station ist die Stadt My Tho. Am Ufer des einfach beeindruckenden
Mekong kehren wir ein in ein Fischlokal und genießen das leckere Essen
direkt am Wasser, völlig fasziniert von dem geschäftigen Treiben
auf der riesigen Wasserfäche vor uns. Das
Wasser ist rotbraun. Es schwimmen Pflanzen auf der Wasseroberfläche, und
die sichtbaren Ufer sind gesäumt von üppigem Pflanzenwuchs. Palmen ragen
weit über das Wasser, laut knatternde Boote aller Größen tauchen von
irgendwoher auf, und fahren in jede erdenkliche Richtung. Den
nächsten Mekongarm überqueren wir per Fähre. Beim Warten auf das Schiff
werden wir von Straßenhändlern mit allerlei Leckerein versorgt. Wir können
wählen zwischen gekühlten Getränken, Zuckerrohrstückchen auf
Peddigrohrstäbchen frischen Ananas oder allerlei Kuchenstückchen. Am
anderen Ufer erwartet uns die Stadt Can Tho. Wir werden hier über Nacht
bleiben, checken in einem kleinen Stadthotel ein und werden am späten
Nachmittag von einem Fischer namens Han begrüßt. Wir werden bei dessen
Familie auf einer Insel im Mekong zu Abend essen. Am
Ufer erwartet uns sein Boot, und der Einstieg wird sicherlich spannend,
denn zwei aus unserer Gruppe sind blind und eine Frau ist auf den
Rollstuhl angewiesen. Das Boot ist etwa 12m lang und 80cm breit. In der
Mitte ist ein Dach angebracht, und der Fahrer steht hinten an einem laut
dröhnenden Motor. Der Einstieg erfolgt über einen recht wackeligen Steg
auf einen langen Ausleger vorne am Schiff. Das schafft ganz schön viel
Aufmerksamkeit... Mit
Einbruch der Dämmerung haben wir Platz genommen in Han´s Garten und
werden von den Nachbarn neugierig betrachtet und freundlich begrüßt. Die
Kinder der Nachbarschaft belagern uns und versuchen uns tausend Dinge zu
Fragen oder zu erzählen. Das
Essen ist köstlich und die gesamte Atmosphäre unbeschreiblich schön.
Zwei Stunden später fahren wir in der Dunkelheit zurück nach Can Tho und
bummeln in der Dunkelheit entlang des Mekong. Überall sitzen Menschen am
Ufer und genießen die Abendstimmung. Auf dem Fluss fahren bunt geschmückte
Ausflugsboote von denen Musik ans Ufer dringt. Wir setzen uns noch ein wenig in einen kleinen Park, schlendern dann Richtung Hotel und bleiben immer wieder an kleinen Sraßenständen stehen. Das Obst und die Gewürze in den Auslagen sind einfach faszinierend. 8.1.2002: Der
heutige Tag beginnt bereits um 6.00 Uhr. Wir frühstücken in einem Staßencafé
und werden dann wieder von Han abgeholt. Er
wird uns heute zu den schwimmenden Märkten fahren. Die schwimmenden Märkte
muss man sich wie einen normalen Wochenmarkt vorstellen. Es herrscht ein
dichtes Gedränge von Händlern, Produzenten und Käufern sowie ein tolles
Angebot an Obst und Gemüse. Alles wie auf einem normalen Wochenmarkt,
eben nur auf dem Wasser. Han fährt uns an ein Boot, an dem eine Ananas an
einem langen Bambusstab hängt. Das heiß, das es hier Ananas zu kaufen
gibt. Sie wird uns gleich kunstfertig zubereitet, und während wir warten,
legen andere Kunden an und decken sich mit herrlich frischen Früchten
ein. Ein junger Mann in einem kleinen Boot hält kurz neben uns an und
bietet uns gekühlte Getränke zum Kauf an. Die
Bootstour führt uns weiter in immer kleiner werdende Seitenarme des
Mekong. Stellenweise braucht man nur die Hand zu heben um die Palmwedel zu
berühren. Unweigerlich kommt uns der Vietnamkrieg in Erinnerung. Das
Mekong-Delta war immer wieder Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen
zwischen Amerikanern und vietnamesischen Widerstandskämpfern. Dieses
verzweigte Flussdelta bot nach kurzen Attacken immer wieder eine geeignete
Rückzugsmöglichkeit für die ortskundigen Widerstandskämpfer. Unsere
nächste Station ist eine Blumen- und Obstinsel, inmitten dieses
subtropischen Paradieses.
Nach unserem Besuch zählen wir 20 Früchte, die wir probiert haben. Unsere
Fahrt führt uns am späten Nachmittag zurück in unser Hotel in Saigon.
Wir genießen die schöne Landschaft und halten kurz vor Saigon noch mal
um uns mit einer frischen gekühlten Kokosnussmilch zu stärken. 9.1.2002: Am
heutigen Tag trennen wir uns zunächst. Zwei Reisende haben Lust mal so
richtig shoppen zu gehen. Dazu lädt eine Straße nahe dem Hotel ein. Die
anderen haben mehr Lust auf Kultur, und fahren ins Museum of Arts. Am
Mittag treffen wir uns auf dem Hoteldach und machen es uns in luftiger Höhe
gemütlich mit allerlei Obst. Nach
dieser Pause beschließen wir zum Saigon-River zu gehen. Von dort aus
fahren wir im Cyclo zum botanischen Garten. Hier sehen wir zwar tausende
von Blumen und Bäumen, sind nach der phantastischen Pflanzenwelt im
Mekong-Delta jedoch nicht mehr so richtig zu begeistern. Das hatten wir
alles frei und wild wachsend gesehen! Mitten
im Berufsverkehr fahren wir im Cyclo zurück zum Hotel. Es ist wieder sehr
abenteuerlich und spaßig. Abends
sind wir zum vegetarischen Essen von unserem Tourguide Hoa eingeladen. Er
führt uns in ein Lokal in der Nähe des Saigon-Rivers. Es ist ein sehr
einfaches und traditionelles Lokal und wie üblich ist es sehr laut. Der
Eingang ist weit geöffnet und die vorbeifahrenden Autos
veranstalten einen unbeschreiblichen Lärm. Das Essen ist streng
vegetarisch und das Besondere ist die Art der Zubereitung. Die Speisen
sehen aus wie zubereitete Hähnchenschenkel, kleine Fische oder sonstige
nichtvegetarischen Gerichte. Wie wir mehrfach zugesichert bekommen ist
jedoch alles rein pflanzlich. Es schmeckt gut, allerdings ist es schwer
sich an den Lärm zu gewöhnen, und deshalb sind wir doch ganz froh als
wir wieder in unserem ruhigen und komfortablen Hotelzimmer sind. 10.1.2002: Heute
werden wir einen Ausflug zu den heißen Quellen von Binh Chau unternehmen.
Die Fahrt dorthin führt uns wieder durch wunderschöne Landschaften. Der
Zustand der Straße lässt allerdings etwas zu wünschen übrig. Man ist
bemüht längere Streckenabschnitte vor Einsetzen der Regenzeit zu
erneuern. Das bedeutet, dass wir mehrere Baustellen durchfahren mit
Schlaglöchern, die für viel Bewegung sorgen. An
den heißen Quellen angekommen machen wir zunächst einen Rundgang durch
das Gelände. Es ist ein schön angelegter Garten mit mehreren Pavillons.
An einer Stelle hängen wir einen Korb mit frischen Eiern in eine
dampfende Quelle. Das Wasser ist über 80°C heiß und die Eier werden in
etwa 20 Minuten gekocht sein. Wir mieten uns eine große Wanne, die ein
Mitarbeiter uns mit frischem heißem Quellwasser füllt. Die
Wanne ist eingelassen in den Boden eines Pavillons, den wir ganz für uns
alleine haben. Hoa versorgt uns mit frischem Obst, und erzählt uns die
Geschichte wie die heißen Quellen entstanden sein sollen. Der
Sage nach hat sich ein frisch vermähltes Paar hier niedergelassen. Der
Mann ging eines Morgens in den Wald zur Jagd, und bat seine Frau, am Abend
heißes Wasser bereitzuhalten, um die Beute zuzubereiten. Der Mann kam
allerdings nicht nach Hause, und so schüttete die Frau das Wasser vorm
Schlafengehen weg, kochte jeden Tag neues Wasser und schüttete es wieder
weg. So wartete die Frau leider vergebens auf die Rückkehr ihres
Ehemannes, der nie wieder aus dem Wald zurückkehrte. Nach
dem sehr entspannenden Bad setzen wir unsere Fahrt fort in Richtung Meer.
Wir fahren nach Long Hai. Dort ist am Strand ein romantischer Platz für
uns hergerichtet. Wir essen frische Meeresfrüchte unter eigens für uns
gespannten schattenspendenden Zeltplanen. Das Meer ist etwa 5 Meter vor
uns gelegen und es gibt Liegestühle, in denen wir es uns gemütlich
machen. Die zentrale Frage, die uns nun beschäftigt ist: Sollen wir
zuerst ins Meer gehen oder erst etwas von dem köstlichen Essen probieren?
Hoa nimmt uns die Entscheidung ab. Er schlägt uns vor zuerst etwas zu
essen, dann etwas ins wasser zu gehen, dann vielleicht etwas zu trinken
und später das gleiche von vorne. Guter Vorschlag!! In
unmittelbarer Nähe unserer Idylle versammeln sich immer mehr Menschen,
die uns interessiert beim Essen zusehen und uns auch eigene Meeresfrüchte
anbieten. Am
Abend im Hotel sind wir uns bei einem Cocktail darüber einig wieder einen
sehr schönen Tag erlebt zu haben. 11.1.2002: Unser
heutiger Ausflug wird uns nach Chinatown in Saigon führen. Dieser
Stadtteil ist sehr groß. Hoa bemerkt sofort, das die Chinesen ganz anders
seien als die Vietnamesen. Die Chinesen seien „immer sehr beschäftigt“,
erklärt er uns. Wir können uns das kaum vorstellen, „gerade hierbei
kann es doch gar keine Steigerung des bislang erlebten geben“, denken
wir uns. Nun, wir werden eines besseren belehrt. Das
erste Ziel, welches wir ansteuern, sind die Markthallen in Chinatown. Wie
auf dem Ben Than Market gibt es einfach alles zu Kaufen. Die Gänge
zwischen den Verkaufsständen sind etwas schmaler und alles ist wesentlich
weniger touristisch als auf dem Ben Than Market. Es gefällt uns gut hier.
Es gibt einen Innenhof, in dem ein Denkmal an den Gründer dieses Marktes
steht. Er war Chinese, der als Sohn eines sehr armen Mannes zur Welt kam.
Als jugendlicher fand er einen goldenen Ring im Müll der Stadt und gründete
darauf sein Millionenvermögen. Im
Anschluss bummeln wir ein wenig durch die Straßen. Na ja, das was man als
bummeln bezeichnen kann. Nun wissen wir, was Hoa meinte, als er sagte,
dass die Chinesen „immer beschäftigt seien“. Wir gehen und stehen
eigentlich überall im Weg herum. Nicht das es uns wirklich störte, denn
wir haben gelernt unser eigenes Tempo in unsere Ausflüge zu bringen. Es
ist nur witzig zu erleben, das es plötzlich von allen Seiten hupt,
klingelt ruft oder sonst wie tönt und lärmt. Manchmal stehen wir eben im
Weg, das wird bemerkt- halt meist etwas später als in der Innenstadt, und
dann werden wir umgangen oder umfahren. Das schult den „Sinn für eine
gewisse Lässigkeit“ im Umgang mit diesen Erlebnissen. Auf jeden Fall
sind wir mitten drin im pulsierenden Leben.
Dieses Pulsieren wird begreifbar mit allen Sinnen. Ein
Ort der absoluten Entspannung wird der vietnamesische Tempel in den wir später
gehen. Hier erklärt uns Hoa einiges zu seiner Religion. Dabei strahlt er
über das gesamte Gesicht. Ein Mönch begrüßt uns, und findet besonderen
Gefallen an dem Gespräch mit Jürgen, einem Reisenden aus unserer Gruppe.
Mit viel Freude erklärt er verschiedene Gegenstände, die in dem Tempel
stehen. Dann läutet eine Glocke, und der Mönch verschwindet um zu Mittag
zu essen. Wir sehen ihn an einem langen Tisch sitzen, in seinem
orangefarbenen Gewand, mit fünf anderen Mönchen. Als wir an dem Tisch
vorbeikommen, ist das Mahl gerade beendet, das Schlussgebet gesprochen und
der Mönch schenkt Jürgen seinen Nachtisch, eine Orange. Wir
gehen weiter zur tempelinternen Schule, und danach geht es zur Gruft. Es
handelt sich hier um einen großen Raum, in dem rundum Regale raumhoch
angebracht sind. Glasscheiben schützen die in den Fächern stehenden
Urnen. Als
wir herauskommen aus diesem Raum, werden wir von dem uns nun schon bestens
bekannten Mönch zum Essen eingeladen. Das ist natürlich eine große Ehre
für uns, und wir nehmen dankend an. Es ist ein sehr einfaches Mahl, natürlich
vegetarisch und wir essen mit Stäbchen. Das haben wir mittlerweile
gelernt. Völlig
entspannt und beeindruckt verlassen wir den Tempel, um einen chinesischen
Tempel zu besuchen. Dieser
wirkt wesentlich offener und Hoa erklärt uns weitere Unterschiede
zwischen den vietnamesischen und chinesischen Tempeln. Insbesondere die
Duftspiralen, die an der Decke hängen, fallen uns sofort auf. Je nach Größe
brenne diese einen Tag, eine Woche oder sogar einen Monat. Gegen eine
kleine Spende wird uns eine Duftspirale angezündet, die eine Woche
brennen wird. Das ist dann genau der Tag, an dem unsere Traumreise leider
zu Ende sein wird. Aber bis dahin haben wir immer einen Punkt, und ein
Ereignis, welches uns die kommenden Tage begleiten wird. Ein schöner
Gedanke! An
die Duftspirale wird ein roter Zettel geheftet, auf dem unsere Namen
stehen und ein Wunsch oder eine Bitte. Wir
decken uns im Tempelshop mit Räucherwaren und Kerzen ein und lassen uns
dann am Nachmittag in unser Hotel fahren. In
der Hotelhalle nehmen wir Abschied von unserem vietnamesischen Begleiter
Hoa, der sich schon irgendwie zur Gruppe gehörend fühlt. Er möchte ganz
genau wissen, wie unsere weiteren Pläne aussehen. Wir haben für die
letzten vier Tage Entspannung ohne viel Programm geplant, und wehren somit
all seine Offerten ab, uns in unserem neuen Domizil zu besuchen. Es war
sehr schön verschiedene Ausflüge mit seiner Hilfe durchzuführen, und
nun ist es eben Zeit sich zu verabschieden. Wir werden seine Hilfe das nächste
Mal sicherlich wieder gerne in Anspruch nehmen. Am
Abend gehen wir noch mal so richtig schön essen, packen unsere Koffer und
freuen uns auf Morgen. Ein Fahrer wird uns nach Mui Ne, in die Nähe der
Stadt Phan Thiet bringen. 12.1.2002: Der
erwartete Fahrer ist pünktlich. In einem Minibus verlassen wir die
aufregende Stadt Saigon. Die Fahrt wird etwa vier Stunden dauern.
Zweieinhalb Stunden brauchen wir allein um aus Saigon herauszukommen. Das
Einzugsgebiet von Phan Thiet ist sehr ländlich. Am Horizont sieht man
Bergketten. Phan Thiet hat einen recht großen Fischereihafen. Mui
Ne ist ein sehr ruhiger Fischerort. Zwischen Mui Ne und Phan Thiet ist
unsere Traumanlage: Ein so genanntes „Ressort“, ein traumhafter,
paradiesischer Ort der Idylle und Ruhe mit einer phantastischen
Architektur und einer wunderschönen Gartenanlage. Die
Zimmer sind einfach toll, alle haben Blick auf das südchinesische Meer.
Man hört entweder das Meeresrauschen oder das rascheln der Palmblätter,
die überall auf dem Gelände für Schatten sorgen. An den Palmen hängen
Kokosnüsse. Vor dem Haupthaus gibt es einen Swimming-pool mit einer
Poolbar. Liegestühle stehen unter Schatten spendenden Palmdächern. Doch
als allererstes werden wir einmal unsere Zimmer so schnell wie möglich
beziehen um dann an den Strand zu kommen. Leider
fehlt auf dem feinen Sand ein Weg um sich mit dem Rollstuhl eigenständig
bewegen zu können. Das sollte man hier noch mal bedenken. Ansonsten lässt
das, was uns erwartet keine Wünsche offen: Wellen, feiner Sand, Wasser
warm und alles sehr sauber. Nach
einem ausgiebigen Bad im Meer gehen wir zurück, um bald etwas zu essen. Wir
entscheiden uns heute für die Hotelküche, denn es ist dunkel geworden,
und wir wollen einfach nicht mehr so weit gehen. Das
Restaurant ist ganz nett: Die Dekoration ist ein Sammelsurium
verschiedener Einrichtungsstile und es läuft Musik von den Beatles. Das
Essen ist ganz in Ordnung, aber etwas anders, als wir es seit mehr als 12
Tagen gewohnt sind. Die
Nacht ist so wunderschön, es wird nicht kalt (das kennen wir ja bereits)
und es ist einfach nur ruhig (das ist neu). Wir
freuen uns sehr auf das, was uns noch erwartet. 13.1.2002: Wir
frühstücken unter Palmen. Das Buffet steht auf einer Veranda, und ist
wieder hervorragend. Wir
werden einen kleinen Spaziergang unternehmen, um die nähere Umgebung
kennen zu lernen. Am Nachmittag wollen wir an den Strand. Wir
gehen an einer kleinen Straße entlang, und kommen immer wieder mit netten
Menschen in Kontakt. Palmen und Bananen säumen den Weg. Wir machen Pause
in einem netten Café, und lernen einen jungen Vietnamesen kennen. Er
bringt uns auf die Idee Mopeds auszuleihen. Kurze Besprechung und dann ist
klar: Wir entscheiden uns für einen Probetag mit „Freiheit und
Abenteuer“ auf zwei Mopeds. Wir nehmen die Mopeds mit und gehen dann
erstmal an den Strand. Am
Abend probieren wir das Essen in einem kleinen Lokal in der Nähe des
Ressorts aus. Die Küche ist wesentlich traditioneller und wir fühlen uns
sehr wohl. Nach dem Essen gehen wir an den Pool und bestellen uns leckere
Cocktails in dieser herrlichen tropischen Nacht. Gegen Mitternacht ruft
uns das Meer noch einmal zu sich. Wir kommen! Wieder ein Gefühl zwischen
Traum und Wirklichkeit. 14.1.2002: Auch
heute nehmen wir uns viel Zeit für das Frühstück in dieser wunderschönen
Atmosphäre. Wir bereiten uns „mental“ auf unseren Ausflug mit den
Mopeds vor. Ziel sollen die Cham-Türme sein. Der Weg dorthin ist nicht
weit, aber wir werden erst versuchen müssen, was in unserer Konstellation
„nicht weit“ ist. Da wir zu fünft unterwegs sind und nur zwei Mopeds
haben, müssen auf einem Moped drei Personen fahren. Das haben wir hier
oft gesehen, das macht uns Mut. Die Vietnamesen haben aber einen
wesentlich zierlicheren Körperbau als wir, das lässt uns zweifeln. Wir
werden es probieren, das steht fest! Auf
dem Moped, auf dem wir zu dritt sitzen ist es natürlich alles andere als
bequem, doch wir erreichen unser Ausflugsziel mit viel Spaß! Die
Überreste der Cham Kultur, die hier in Form der beiden Türme zu
bewundern sind, sind sehr beeindruckend. Wenig touristisch erschlossen,
mit einem hervorragenden Blick auf die Provinzhauptstadt Phan Thiet. Nach
kurzer Zeit haben uns Kinder entdeckt und fangen an mit uns zu spielen.
Kurz darauf trauen sich ein paar Jugendliche dazu, und führen uns ihre
neueste Musik mit ihrem mitgebrachten Kassettenrecorder vor. Eigentlich
hatten wir ein kleines Problem, denn uns war in einem der Mopeds der Sprit
ausgegangen. „Eigentlich“, denn wenn wir dabei sind hier etwas zu
lernen, dann ist es das, das sich manche Probleme einfach ganz von alleine
lösen. Erst einmal keine Aufregung. Und so ist es dann auch, denn einer
der Jugendlichen steigt bei Martin aufs Moped auf und zeigt ihm den Weg
zur nächsten Tankstelle. Es wird viel geredet und gelacht und dann fahren
wir zurück zum Ressort. Na ja, ein klitzekleines Problem gab es dann doch
noch: Als wir vom Parkplatz des Ausflugszieles losfahren wollten,
versperrte eine Schranke die Straße. Erst gegen eine Bezahlung wird uns
die Schranke geöffnet. „Schlau“, denken wir uns, „freie Einfahrt
und Ausfahrt nur gegen Bezahlung.“ Es ist jedoch ein sehr geringer
Betrag und das Erlebnis eher amüsant. Am
Nachmittag treffen wir uns auf einem der Balkone um aus unseren schlauen Büchern
einiges zu Kultur und Geschichte zu erfahren. Das Meer lockt danach mit
besonders hohen Wellen. Abends
stoßen zwei Hotelgäste zu uns. Es sind Schweizer. Sandra und Mario. Sie
schließen sich uns zum Abendessen an und haben allerlei spannende und
sehr witzige Geschichten zu erzählen. Sandra hat drei Wochen lang
Kambodscha bereist. Mario traf sie dann in Hanoi. Von dort sind sie seit
zwei Wochen unterwegs und schwärmen. Aber
das wäre sicherlich einen eigenen Reisebericht wert. 15.1.2002: Da
das Mopedfahren gestern so gut geklappt hat, unternehmen wir auch heute
einen Ausflug mit diesen hier sehr üblichen Fortbewegungsmitteln. Unser
Ziel werden die Dünen von Mui Ne sein. Eine an die Sahara erinnernde Dünenlandschaft
mit feinstem Sand in verschiedenen Farben. Die Fahrt führt uns durch den
kleinen und sehr schönen Fischerort Mui Ne. An der Küste liegen unzählige
Fischerboote in allen Größen. Am Ende der Straße erwartet uns ein
Campingplatz. Wunderschön gelegen, aber nicht unser Ziel. Wir hätten
mitten im Ort abbiegen müssen. Kein Problem! Wir wenden und werden noch
in ein nettes Gespräch mit einem Vietnamesen verwickelt. Der ist Fotograf
und möchte uns einige seiner Bilder verkaufen. Er spricht einige Sätze
deutsch, und das was er kann ist erstaunlich akzentfrei. Auch hier wird
wieder viel miteinander gescherzt und gelacht. Wir
setzen unsere Fahrt fort, biegen an der besagten Stelle ab und machen kurz
hinter Mui Ne Rast in einem kleinen Lokal. Kinder spielen Billard, und wir
sitzen auf winzigen Plastikstühlen an ebenso kleinen Tischen. Als
wir wenig später weiterfahren, ist es nicht mehr weit. Wir landen am Ende
einer Straße, nachdem wir herrliche Dünenlandschaften durchfahren haben. Die
Mopeds parken wir im Sand, der die Küste endlos säumt. Das Wasser ist
natürlich angenehm warm. Der Strand in der Mittagssonne aber nicht für
einen längeren Aufenthalt geeignet, denn es ist einfach nur heiß. Magda
wird es zu langweilig und sie wird ein paar Meter mit dem Moped fahren.
Dass sie mit zwei Glasaugen nicht so richtig gut die Straße sieht stört
sie nicht, es macht halt einfach nur Spaß. Schließlich kann man sich den
Weg ja auch durch Zurufen weisen lassen… Während
der Rückfahrt stellen wir dann doch fest, dass es heute ein wenig viel
Sonne war für unsere empfindliche Haut. Am Ressort angekommen ist das
Strandbad denn auch nur noch möglich unter den hoteleigenen
Schattenspendern. 16.1.2002: Der
letzte Tag, leider! Wir haben uns einen Minibus bestellt, der uns in die
Provinzhauptstadt Phan Thiet bringen wird. Hier schlendern wir über einen
Markt und decken uns mit Souvenirs ein. Immer wieder werden wir
interessiert angeschaut, und freundlich angesprochen. Als
wir an einem Stand etwas länger stehen bleiben, bildet sich förmlich
eine Menschentraube um uns herum. So muss sich Robbie Williams fühlen,
wenn er eine Menschenmenge durchschreitet (hi, hi…) Der
Stadtrundgang führt uns weiter vorbei an einladenden kleinen Lokalen, den
verschiedensten Geschäften und einem reichhaltig sortierten Gewürzhändler. Am
frühen Nachmittag kehren wir zurück und genießen noch ein wenig den
traumhaften Strand und das Meer. Zum
Abendessen treffen wir uns mit Sandra und Mario aus der Schweiz und
versuchen nicht an den nahenden Abschied zu denken. Es
wird ein wunderbarer Abend. Eine tropische Nacht verabschiedet sich von
ihren europäischen Gästen. 17.1.2002: Das
Frühstück nehmen wir in aller Ruhe ein und können sogar noch einmal an
das Meer. Unser Fahrer ist für 13.00 Uhr bestellt. Wir haben gelernt,
dass Verabredungen hier pünktlich eingehalten werden und sind deshalb
sehr entspannt das auch diesmal alles klappen wird. Niemand
kann natürlich ahnen, dass wir ausgerechnet am Rückreisetag in einem
Auto sitzen, dessen Elektrik kurz vor Saigon anfängt sich zu
verabschieden. Wir
hatten bereits vorher gemerkt, dass etwas nicht stimmt, denn die
Klimaanlage versagte immer wieder mal. Dann
ging der Motor einfach aus. Irgendwo stehen wir auf einer belebten Straße
und sind sehr gespannt auf das, was passieren wird. Merkwürdigerweise
stellt sich keine richtige Beunruhigung ein, denn wir haben gelernt, dass
Probleme sich hier irgendwie von alleine zu erledigen scheinen. Der Fahrer
verschwindet kurz, und kehrt mit einem Mechaniker zurück. Dieser stellt
fest, dass eine neue Batterie her muss. Diese bringt er, baut sie in
Windeseile ein und verabschiedet sich, nachdem der Fahrer mit seiner
Armbanduhr bezahlt hat. Eine
zweite Batterie wird kurz darauf an einer anderen Stelle mit dem
Personalausweis des Fahrers als Pfand bezahlt. Diese wird bis zum
Flughafen halten, und wir sind tatsächlich pünktlich. Wir danken unserem
Fahrer herzlich, der uns trotz der Probleme gut und wohlbehalten ans Ziel
gebracht hat, und begeben uns zum Check-in. Der Rückflug verläuft ruhig. In Paris erleben wir leider noch eine etwas unangenehme Überraschung. Fünf Minuten vor dem Einstieg ins Flugzeug werden wir darüber informiert, dass unser Flug erst zwei Stunden später starten wird. Die französischen Fluglotsen streiken. Es ist nicht wirklich toll, aber Vietnam klingt einfach so schön in uns nach, dass wir auch dieses Problem lernen gelassen zu nehmen. Martin S. |
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