|
Mittwoch, 18.08.2004 – Ankunft in der Weltmetropole Berlin
Nach einer Busfahrt, bei der alles gut klappte, landen wir in Berlin. Einen Stau haben wir ausgetrickst und so kommen wir nun von Spandau her in das Zentrum der Bundesrepublik mit ihrer langen Geschichte. So unterschiedlich sind die Gefühle, die man mit dieser Stadt verbindet. Wir fahren über den Kaiserdamm und die Bismarckstraße auf die Straße des 17. Junis und dann direkt auf den Stern zu. Otto weiß schon zu allem was und sieht die Siegessäule mit der goldenen Else als erster. Das Brandenburger Tor, Unter den Linden, Friedrichsstraße sind Orte und Namen, die uns kurz begegenen, und die wir in den nächsten Tagen mit Ruhe anschauen wollen. Nach unserer Ankunft im Hotel packen wir erst einmal in Ruhe die Koffer aus. Beim Maultäschle gar nicht weit von uns kann man draußen sitzen, und schwäbische Gerichte genießen. Und schon kommen wir ins Gespräch mit den netten Berlinern wie Herrn Priepke, der gleich von Berlin und der Wende erzählt. Das macht Berlin ja aus: die vielen Geschichten und Erfahrungen, die in den Menschen in dieser wechselvollen Stadt stecken. Bodo und Otto ziehen noch mit Christian um die Ecken, dann kehrt erst mal Ruhe bei uns ein...Therese und Birgit entdecken hinter dem Hotel auf der Straße eine Linie aus Mauersteinen im Asphalt. An vielen Stellen der Stadt begegnen uns diese noch, sie zeichnen oft den Weg der Mauer nach...Ein Gedenkstein für Peter Fechter steht dort ebenfalls, mit frischen Kränzen geschmückt.
Donnerstag, 19.03. 04 Stadteindrücke
Nach dem Frühstück wandern wir die Friedrichsstraße entlang und genießen das Großstadtflair mit seinen vielen unterschiedlichen Menschen. Und Sprachen. Unser Stadtrundgang bringt uns zu den bedeutensten Sehenswürdigkeiten Berlins. Wir schlendern „Unter den Linden“ unter den Linden. Am Brandenburger Tor wird die bewegte Geschichte Berlins und Deutschlands sehr lebendig und wir machen ein Gruppenfoto mit dem berühmten Symbol. Der Platz bietet Überraschende Aussichten: die Siegessäule in der Ferne und den Reichstag in der Nähe. Wir schlendern in der warmen Mittagssonne in den Schatten des Kanzleramtes und an der Spree entlang. Hier wurde Sand aufgeschüttet und das städtische Leben um ein Strandbad mit Körben und Liegestühlen bereichert. Am Haus der Kulturen nehmen wir ein kleines Mittagsmahl und entscheiden uns dann für eine Schifffahrt mit dem Kaiser Friedrich bis ins Nikolai-Viertel. Die Museumsinsel, Sendezentrale der ARD, Palast der Republik und Bibliothek, das Berliner Ensemble, den Sendeturm am Alex und mehr bekommen wir vorgestellt. 14 von den über 1000 Brücken Berlins unterfahren wir dabei. Unser Schiff ist ein Dampfer und muss häufig seinen Schornstein einklappen....Durch den Tiergarten ziehen wir später an der berittenen Polizei vorbei zum Potsdamer Platz. Das Sony Center ist überwältigend und mit Schümli und Kuchen verbringen wir hier eine gute Zeit und schauen mit Hunderten von Leuten den Olympioniken zu- Beach Ball der Damen, Brasilien gegen Deutschland. Wir schlendern noch zu den Arkaden und laufen dann über den Leipziger Platz nach Hause. In der Nähe unseres Hotels sehen wir Reste der Berliner Mauer. Doch diese Ausstellung heben wir uns noch auf. Erstmal nehmen wir uns Döner und Pommes vor. Den Abschluß finden wir im Hinterhof unseres Hotels. Wieder ist ein schöner warmer Sommertag in Berlin zu ende gegangen.
Freitag, 20.08.2004 - Ostberlin
Ein Spaziergang bringt uns in den Osten der Stadt. Am Bebelplatz ist eine riesige Baustelle. Hier entsteht das Mahnmal zur Bücherverbrennung. An der deutschen Oper und Humbold-universität vorbei geht es über die Schlossbrücke. Hier steht der Palast der Rebublik, heute Volkspalast. Dort findet heute eine Übergabe des Palastes an das Volk statt – mit einer Party und besonderen Begrüßungszeremonien. Leider ohne uns, denn wir kriegen keine Karten mehr. Einen Regenschauer nutzen wir, um uns den Dom zu Berlin anzuschauen. Er ist neugotisch und sehr pompös. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde er schon schlichter aufgebaut als vorher – na, der war scho schee...ein Modell zeigt uns, wie das Schloss aussah, auf dessen platz jetzt der besagte hässliche palast der Rep. steht. Im Keller des Doms gibt es übrigens Särge und Sarkophage aus vier Jahrhunderten. Dann geht es zum Alex. Unterm Fernsehturm sitzen wir und genießen ein kleines Mittagsmahl. Die Auffahrt auf den Fernsehturm schenken wir uns. Erstens kommt man am la langen Anstehen nicht vorbei. Und außerdem darf man aus Sicherheitsgründen nur hoch, wenn man im Notfall 996 Stufen auch allein und ohne Hilfsmittel wieder runter gehen könnte, weil die Treppe nur ganz schmal ist – Rollstühle sind ausgeschlossen. So entscheiden wir uns, es im Kolhoff-Haus am Potsdamer Platz demnächst mit einer grandiosen Aussicht über Berlin versuchen zu wollen. Wie schnuppern noch ein wenig Ostalgie an der Weltuhr auf dem Alexplatz, der von Plattenbauten umringt ist. Wir schlendern zum Roten Rathaus, das wirklich beeindruckend aus roten Ziegeln gebaut ist. Ein Regenschauer treibt uns unter die Plastikpavillions am Palast. Und dann geht’s auf die Museumsinsel. Unter den Arkaden genießen wir einen Kaffee und ruhen uns ein wenig aus. Dann wollen wir noch die Hackeschen Höfe erobern. Es ist ein lebhaftes Treiben am Hackeschen Markt. Die sechs Innenhöfe im Jugendstil wurden vollständig renoviert und beherbergen Kinos, Restos und Theater. Bei Weihenstephan lassen wir uns nieder und genießen die bayrische Atmosphäre mit Weißwürsten und süßem Senf. Otto, Bodo und Christian zieht es nach der Zittermusik noch in das Open Air Kino mit Liegestühlen auf der Museumsinsel in einer tollen Atmophäre. Es gibt die Preview von „Sommersturm“, einer deutschen Produktion zu sehen, und später sind sogar die Schauspieler noch auf der Bühne. Wir anderen schauen einer beeindruckenden Feuerjonlage zu und schlendern durch die beleuchtete Großstadt Richtung Heimat. Überall ist in dieser lauen Sommernacht noch was los und der Gendarmenmarkt scheint ein Zentrum zu sein. Hier wollen wir über den Tag noch mal her. Doch morgen steht Kreuzberg auf unserem Programm.
Samstag, 21.08. – Mauer und Kreuzberg – mehr Alltagsleben
Kreuzberger Nächte sind lang...das kann man sich nur zu gut vorstellen, wenn man sich die zahlreichen Kneipen schon allein in der Bergmannstraße ansieht, die tagsüber bereits einladend aussehen. Jeder versucht hier, sein Geld zu verdienen. Auch kleinste Dienste werden angeboten, Antiquitäten, Secondhandwaren,..
Wir landen dort, nachdem wir uns an der Zimmermannstraße die 200 m Mauerreste und die Ausstellung des Vereins „Terror“ angeschaut haben. Der Volksgerichtshof wird kritisch beleuchtet und dokumentiert, welche Verbrechen er im Namen der Justiz verübt hat. Ein auffälliges weißes Zackendach lässt uns einen Umweg gehen: wir wollen wissen, was darunter steckt. Das Tempodrom ist ein Veranstaltungsort für Artisten ect. Es gibt noch ein tolles Thermalbad dabei, mit Musik zum Unterwasserhören. Doch Kreuzberg ruft uns und die vielen kleinen Lädchen sind einladend, um in ihnen zu stöbern. Bei einem Inder essen wir gut zu Mittag. Dann ziehen wir am Flohmarkt vorbei, auch hier werden einige fündig, und später fahren wir erst mit der U-Bahn, dann S-Bahn in die nächsten Berliner Viertel. Eigentlich ist der Prenslauer Berg mit dem Pfefferberg unser Ziel. Wieder einmal rechnen wir nicht mit der Großstadt: Man kann zwar mit der U-Bahn fahren, doch die Aufzüge sind noch nicht durchgängig für Rollstuhlfahrer gebaut. So muß man immer schauen, welche Strecken gut möglich sind. In der Schönhauser Allee steigen wir schließlich aus der S-Bahn. Einmal in der falschen Richtung unterwegs, schauen wir uns das lebendige Viertel vom Ende des Bezirks Prenzlauer Berg an. Hier lädt die Kneipe „Mad and Crazy“ ein, ab neun gibt es heute „Teutonenrock“ in diesen mit Flammen bemalten Gebäude...wir suchen uns kurzentschlossen erst mal was zu essen und werden gut in einer türkische Pizzakneipe bedient. Sie haben sogar Rolliaufzüge und Toiletten für ihre kleine Etagenkneipe, was uns natürlich gleich positive Blicke werfen lässt. Die Pizza und die Spaghetti können sich auch sehen lassen. Für den Heimweg probieren wir die Straßenbahn aus. Auch rollizugänglich. Sie bringt uns durch das bunte Lichtermeer an die Friedrichstraße, die wir nach Hause gehen. Ein langer Tag mit nicht viel Aufregendem, doch man kann sich das Berliner Leben schon vorstellen. Morgen ist der Spreewald unser Ziel.
Sonntag, 22.08. – Spreewald
Heute machen wir eine Landparty. Knapp 100 km gen Süden, entdecken wir in der Lausitz eine in Mitteleuropa einzigartige Kulturlandschaft. Hier teilt sich die Spree in ein Labyrint von rund 300 Flüssen mit 500 Flußkilometern - da kann man sich schon mal verfahren. Der Spreewald ist bekannt für seine romantischen Kahnfahrten und natürlich die Spreewälder Gurken. Wir probieren beides aus. Auf dem Parkplatz und im Hafen von Lübbenau ist man auf viele Gäste eingestellt, man wird leider nicht sehr persönlich behandelt. Beim kleinen Mittagessen schauen wir uns die herumliegenden Kähne in der netten betriebreichen Atmosphäre an. Später steigen wir selbst ins Boot. Erstmal müssen wir ein wenig überlegen, wie wir Bodo samt Rollstuhl am angenehmsten in den Kahn fahren lassen. Später – sehr gemütlich - fährt uns eine Fährfrau in ihrem Kahn durch die Kanäle. Wir gleiten durch das Wasser, ein Moment tiefer Stille ist erlebbar. Viele weitere Kähne sind mit uns unterwegs, doch das tut der Ruhe nur wenig Abbruch. Wir erfahren einiges über die besondere Lebensweise der Spreewälder, die z.T. mit den Kähnen in die Schule fahren. Es ist wirklich ein schöner Sonntagnachmittag.
Nach einem Aufenthalt an einem der zahlreichen Gasthäuser mit Kahnanleger verzehren wir regionale Speisen. Mit Kuchen, Spreewaldgurken in verschiedenen Geschmacksrichtungen und frischgebackenem Zwielbelbrot sind auch kulinarische Wünsche erfüllt. Zurück geht es in die Tiefe der Stadt nach Berlin.
Montag, 23.08. - Filmpark Babelsberg
Heute besuchen wir die Welt von Kino und TV – seit 90 Jahren werden hier Filme gedreht, die uns alle mitbeeinflusst haben. Inmitten der legendären Babelsberger Filmstadt sehen wir eine atemberaubende Stuntshows, wenn die Geschichte auch ein wenig platt daherkommt. Eine Studio-Rundfahrt eröffnet Blicke hinter die Kulissen. Aus dem Fernseh ist man schon ein wenig verwöhnt, wie viel Arbeit hier in den einzelnen Bereichen drinsteckt, kann man nicht auf den ersten blick sehen. Die Show zu einer Fernseh-Lifeproduktion ist sehr informativ und man bekommt Einblicke in die Arbeit am Set. Wir probieren die Blue-Box aus, fliegen wie Münchhausen über die Welt, fahren mit Autos durch die Wüste. Fuchhur, der Drache aus der unendlichen Geschichte, Steinbeisser-Baby, eine Spinne in Riesendimensionen, aber auch das Sandmännchen begegnen uns. Später fahren wir zum Wannsee – ganz real. Segelschiffe im untergehenden Licht der Sonne wären schön, doch das Wetter spielt leider nicht ganz mit. Außerdem hört man hinter uns noch ein wenig den Lärm einer der Einfahrtstraßen nach Berlin. Später speisen wir gegenüber der Pfaueninsel mit einem romantischen Blick über den Wannsee in einem Restaurant im tiefen, tiefen Wald, abgeschieden. Das Essen ist lecker ... und Berlin ist unglaublich weit weg...
Dienstag, 24.8. 2004
Heute werden wir uns aufteilen. Das „Museum of modern Art“ in New York präsentiert eine einmalige Ausstellung von Bildern europäischer Künstler (Picasso, Monet, Kandinsky, Vincent van Gogh) aus New York in der „Neuen Nationalgalerie“. Die meisten wollen aber lieber in den Berliner Zoo gehen. Er war der erste Zoo Deutschlands und die prachtvollen Eingangsportale und weitere Gebäude mit Steinornamenten zeugen von der liebevollen Sorgfalt, mit der die Tierwelt den Berliner Bürgern nahe gebracht werden sollte. Viele Tierarten, die man sonst nirgendwo zu Gesicht bekommt, werden hier gepflegt. Der kleine Panda-Bär ist gerade im Mittagsschlaf als wir vorbeikommen. Nach den wilden Tieren schauen wir noch im Aquarium vorbei, und auch das ist beeindruckend. Später treffen wir uns alle im Reichstag. Einige wollen den Plenarsaal von der Tribüne aus sehen und einen Vortrag zur Reichstagarchitektur hören, andere wollen gleich in die gläserne Kuppel. Es gibt heute keinen blauen Himmel mehr, aber trotzdem ist der Aufstieg in der Kuppel beeindruckend. Höher und höher schraubt man sich die Spirale hinauf. Der Ausblick über Berlin ist überwältigend. Viele Gebäude kennen wir nun schon aus der Nähe. Als wir auf dem Weg nach unten sind, fängt es an zu regnen. Wir schaffen es gerade noch trocken ins Auto, dann bricht das Wasser aus den Wolken. Christian organisiert uns einen zeimlich trockenen Ausstieg aus dem Auto, und so sitzen wir dann beim Döner-Mann unter Stoffbahnen, die immer schwerer von der Wasserlast werden... gut, dass wir Otto haben. Nach Döner und Falaffel ziehen wir später um die Ecke nach Hause.
Mittwoch, 25.08. Tag – Köpenick
Schnellentschlossen fahren wir nach Köpenick zum Hauptmann, den wollen wir treffen. Jeden Mittwoch und Samstag, um 11 Uhr wird vor dem Rathaus in einer Straßentheater-Inszenierung das Spektakel vom „Hauptmann von Köpenick“ lebendig gemacht. Vor der großartigen Kulisse des Rathauses wird das Spiel gegeben. Heinz Rühmann spielt heute nicht mit, aber die anderen machen es auch nicht schlecht. Jürgen singt alle Lieder der Soldaten mit. Sehr nett, und wir sitzen in der ersten Reihe. Auf der Köpenicker Schlossinsel schauen wir uns später das einzige original erhaltene Barockschloss Berlin-Brandenburgs an. Seit den 60er Jahren des 20. Jh. beherbergt es das Berliner Kunstgewerbemuseum. Im Frühjahr 2004 wurde das Schloss nach umfangreicher Restaurierung als "Museum für Raumkunst" wieder eröffnet. Und es ist eindrucksvoll, wenn man die Kultur der Herrschenden mag, wie mit einfachen handwerklichen Mitteln wunderschöne Möbel geschaffen wurden. Nach einem guten Mittagessen in einer netten Gartenwirtschaft am Ufer der Dahme, die kurz danach in die Spree mündet, einem Schlendergang durch das Fischerkietz und ans Strandbad von Köpenick, ziehen wir in die Innenstadt der Altstadtinsel. Doch leider stehen viele Geschäfte leer und sind zu vermieten. So ziehen wir denn zurück nach Berlin Mitte, ins La Fayette, um in dem Kaufhaus unsere Wünsche zu erfüllen. Die Konsumwelt ist berauschend. Am Checkpoint Charlie erstehen wir weitere Andenken an diese Stadt und geben uns nicht die Kante, weil wir ja morgen wieder unterwegs sein werden.
Donnerstag, 26.08. 2004- Ku´damm
Potsdam oder Berlin? Angesichts des wechselhaften Wetters entscheiden wir uns für Berlin. Wir schlendern über den beeindruckenden Gendarmenmarkt mit dem Französischen und dem Deutschen Dom und Theater. Später steigen wir in den sagenhaften 100-Bus, mit dem jeder Berlin-Tourist einmal gefahren ist. Es gibt sogar Internetseiten dazu mit Bildern all dieser berühmten Gebäude, an denen wir jetzt noch einmal entlangfahren. Wieder mal wird klar, wir haben doch einiges gesehen. Das Schloß Bellevue ist keine Augenweide, weil es gerade in Bauarbeiten steckt. Die Siegessäule umwandern wir halb, doch so richtig hat keiner Lust, auf der verkehrumtosten Insel viele Stufen bis zur „goldenen Else“ hochzusteigen. Es geht noch mal am Tiergarten entlang. An der Friedrich-Wilhelm-Gedächtsniskirche steigen wir aus und besichtigen die alte und neu erbaute Kirche. Von innen sind beide auf ihre Art eindrucksvoll, die eine blau, die andere voller Mosaike. Wir schauen dem bunten Leben mit Malern und Musikern am „Wasserkloß“ zu, nehmen im Europa-Center ein Mittagessen ein und erledigen die letzten Souvenir-Einkäufe. Der Berlin-Besuch ist festgehalten in einem Erinnerungsstück.
Freitag , 27.08.2004
Abreise
Leider heisst es heute Abschied nehmen von Berlin. Wir sind uns einig: Wir wären noch gern geblieben, denn Berlin hat noch soooo vieles zu bieten….
Birgit
G., August 2004 |